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Häftling: „Vollzugsbeamter hat mich brutal misshandelt“

Von INGE RILINGER, 09.03.10, 07:18h

Er sei von einem Vollzugsbeamten der Rheinbacher Haftanstalt in seiner Zelle brutal misshandelt worden, behauptete ein 28-jähriger Häftling. Und prompt handelte er sich ein...

RHEINBACH. Er sei von einem Vollzugsbeamten der Rheinbacher Haftanstalt in seiner Zelle brutal misshandelt worden, behauptete ein 28-jähriger Häftling. Und prompt handelte er sich ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung ein. Jetzt endete der Prozess vor dem Rheinbacher Amtsgericht allerdings wie das Hornberger Schießen. Nachdem fünf Vollzugsbeamte und der Gefängnis-Arzt in einem über zwei Stunden dauernden Prozess als Zeugen vernommen worden waren, wurde der bereits 16 Mal vorbestrafte Student, der nach langer Haftstrafe im Mai entlassen werden soll, freigesprochen. Vorsitzender Richter Ulrich Schulte-Bunert räumte in seiner Urteilsbegründung ein: „Ich glaube zwar, dass Sie nicht geschlagen worden sind. Andererseits aber kann ich Ihnen Ihre Behauptungen auch nicht widerlegen.“

Dass nicht mehr geklärt werden konnte, was damals wirklich vorgefallen ist, hing nicht zuletzt mit den total unterschiedlichen Aussagen der insgesamt acht Zeugen zusammen. So hatte sogar einer der fünf als Zeugen vernommenen Vollzugsbeamten eingeräumt, der Häftling habe ihn einen Tag nach jenem 18. Januar vergangenen Jahres zu sich gebeten und ihm von einem gewaltsamen Angriff durch dessen 47-jährigen Kollegen berichtet.

Nach Aussage des angeklagten Häftlings hatte ein unbekannter Mitgefangener in jener Nacht immer wieder laut gegen seine Zellentür getreten. Plötzlich hätten vier Beamte die Zelle des Studenten gestürmt. Der 47-jährige Nachtdienstleiter sei auf ihn zugesprungen, habe ihn am Hals gepackt und ihn mit voller Wucht gegen die Schranktür gestoßen. Dann habe der Beamte gedroht, wenn die Tritte gegen die Zellentür nicht aufhörten, komme er in den Bunker.

Tatsache sei, so der Angeklagte jetzt vor dem Rheinbacher Amtsgericht, dass er überhaupt nicht der Randalierer gewesen sei. Das sahen die vier damals aufgetauchten Vollzugsbeamten allerdings anders. Als Zeugen vor Gericht erklärten sie übereinstimmend, sie wären damals dem ohrenbetäubenden Geräusch nachgegangen. Ein 28-jähriger Vollzugsbeamter: „Als wieder getreten wurde, stand ich zufällig genau vor der Zellentür des Studenten. Ich hab mich total erschrocken. Es besteht kein Zweifel, dass er der Ruhestörer war.“

Während die vier Beamten aber übereinstimmend erklärten, der junge Mann sei danach keinesfalls angegriffen und gestoßen worden, behaupteten zwei inzwischen aus der Haft entlassene Zellennachbarn genau das Gegenteil. Weil sie inzwischen nicht mehr auffindbar sind, wurden ihre polizeilichen Aussagen verlesen. Und darin heißt es, sie hätten gehört, wie jemand gegen einen Schrank gestoßen wurde. Und ihr Mithäftling habe laut gerufen: „Lassen Sie mich sofort los.“

Ausschlaggebend für den Freispruch des 28-Jährigen aber war wohl die Aussage des fünften Vollzugsbeamten. Er räumte ein, er habe eine Schwellung am Hinterkopf des Angeklagten gefühlt. Der Zeuge: „Für mich war die Beule tastbar, und die Schranktür war aus den Angeln.“ Das bedeute allerdings nicht viel. Denn die Knast-Schränke seien fast 20 Jahre alt und überwiegend kaputt.



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