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Premiere

Hier schießt keiner auf den Chirurgen

Von H. D. Terschüren, 09.03.10, 12:21h

Dumm ist schön und gut, aber reich ist besser: Vera Nemirovas Inszenierung des „Liebestranks“ von Donizetti feiert ihre Erstaufführung an der Bonner Oper. Den Nemorino spielt der wunderbare Tansel Akzeybek.

Inszenierung des
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Einen Schönheitssalon auf vier Rädern samt Personal fährt Quacksalber Dulcamara vor. (Bild: Beu)
Inszenierung des
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Einen Schönheitssalon auf vier Rädern samt Personal fährt Quacksalber Dulcamara vor. (Bild: Beu)
BONN - Die Dummen werden nicht alle, aber kluge Mädchen lieben sie. Das ist das Rezept der italienischen komischen Oper. Auch Donizetti hat es dem Leben abgeguckt. Im „Liebestrank“ brachte er aber auch seine Korrektur an. Kaum hören nämlich die Mädchen, dass Nemorino geerbt hat, schon umschwärmen sie ihn: Dumm ist schön und gut, aber reich ist besser. Allein Adina weiß nicht, wen sie will, den süßen Nemorino oder den Leutnant Belcore mit den Messingknöpfen auf der Uniformjacke.

Ein Nemorino mit viel Schmelz

An der Bonner Oper inszenierte nun Vera Nemirova den „Liebestrank“ mit Christopher Sprenger am Pult und Werner Hutterli als Ausstatter. Auf die Donizetti-Oper verfallen war das Theater wohl auch, weil man mit Tansel Akzeybek einen jungen und richtig guten Nemorino aufzubieten hatte. Der letzte war in Bonn vor 25 Jahren Francisco Araiza.

Auch Akzeybek hat mit dem Tenorschmelz von „Una furtiva Lacrima“, der Perle in Donizettis Schatzkästlein, sehr gut ausgesehen. Vielleicht ist die Inszenierung kein großer Wurf, aber Vera Nemirova lieferte entzückende Szenen ab. Selbst wo es mit der versprochenen Parodie auf die Schönheitsindustrie so weit nicht her war. Niemand schoss auf die Chirurgen. Und die Verlegung weg aus dem bäuerlichen Milieu in ein Wellness-Center hat nicht viel mehr eingebracht, als dass am Rand vom Swimming Pool die Marine aufmarschierte statt der Carabinieri in Felice Romanis Libretto. Unter dem Einfall leiden die Proportionen. Nemorino sammelt Abfall am Becken, vermutlich unterm Mindestlohn. Das ist reichlich weit unterhalb von Belcore und der blaustrümpfigen Adina, die sich über ihrer Tristan und Isolde- und Liebestrank-Lektüre kaputtlacht. Mit seinem Schönheitssalon auf vier Rädern fährt Quacksalber Dulcamara vor und hat die Schönen mit den aufgespritzten Lippen dabei und auch einen Plastinat-Mann (Olaf Reinecke), was immer der bedeuten soll. Das Witzigste war noch der Schlauch, mit dem Dulcamara den Liebestrank vor aller Augen vom Wasserhahn am Pool in Plastikflaschen goss - als Erzeugerabfüllung - an die Klientel gegen Bares verhökerte. Die Persiflage bringt also nicht viel ein. Nein, richtig gut ist die Regisseurin erst, wenn sie die musikalischen Dinge inszeniert. Aber dann ist sie sehr gut.

Das Finale des ersten Aktes bekam bei ihr einen fabelhaften Drive. Wie sie das zögerliche Miteinander und wieder Auseinander von Adina und Nemorino einrichtete, das war feine große Opernemotion. Oder die sich überschlagende Ringorgie des heiratswütigen Belcore - die damit endete, dass statt Adina Nemorino den Ring am Finger hat - lief virtuos.

Freilich hatte die Regisseurin da auch den von Sibylle Wagner schön einstudierten Chor auf ihrer Seite. Dessen Partie gehört zum Schönsten von Donizetti. Und ganz einig war sie sich mit Sprengers Inspiration und Draht zur Bühne. „Der Liebestrank“ braucht nur fünf Solisten. Allen fünf dient Donizettis Musik sehr schöne Charaktere an. Neben Akzeybek waren das Sigrun Palmadottir; die Adina liegt ihr prächtig in der Stimme. Als komischer Dulcamara war Martin Tzonev vorzüglich, als Belcore gefiel Giorgos Kanaris. Die Gianetta sang und spielte Susanne Blattert wie stets auf bestem Niveau. Das Publikum dankte mit großem Beifall.



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