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Nachtschichten für Bühne der Europaschule

Von GREGOR RITTER, 10.03.10, 07:03h

Sie reisen teilweise aus Aachen und Düsseldorf an. Wenn andere gerade den anbrechenden Feierabend genießen, beginnt für sie der zweite Beruf, treffender: die Berufung. Gegen 19...

KERPEN.Sie reisen teilweise aus Aachen und Düsseldorf an. Wenn andere gerade den anbrechenden Feierabend genießen, beginnt für sie der zweite Beruf, treffender: die Berufung.

Gegen 19 Uhr trudeln am Montag die restlichen Mitglieder des „Musical Ensembles Erft“ in der Europaschule ein, bis mindestens Mitternacht wird gesungen, getanzt, geschauspielert und musiziert. „Die Woche ist wirklich hart. Aber wenn man es gut machen will, geht es nicht anders“, sagt Barbara Franck, für die Inszenierung und zusammen mit Marco Maciejewski für Regie zuständig und im bürgerlichen Leben Online-Redakteurin bei RTL. Bis am Donnerstag Premiere gefeiert werden kann, schieben die Akteure, Musiker und technischen Kräfte jeden Tag Nachtschicht.

„Tick, tick. . .boom“ heißt das Stück, in das alle Beteiligten so viel Mühe investieren. Hauptfigur ist der Komponist Jonathan, der kurz vor seinem 30. Geburtstag vor der Wahl steht, seine Ambitionen als Schöpfer des nächsten großen amerikanischen Musicals zu verwirklichen, oder aber mit seiner auf Heirat drängenden Freundin sesshaft zu werden und einem „herkömmlichen“ Beruf nachzugehen.

Musical-Komponist Jonathan Larson goss in „Tick, tick. . .boom“ seine eigene Situation in Texte und Songs, bevor er später mit seinem Werk „Rent“ zum Star avancierte und den Pulitzer-Preis erhielt - und in dem selben Jahr, 1996, tragischerweise verstarb.

Einer, der die Situation der von ihm verkörperten Figur besonders gut verstehen dürfte, ist das Ensemblemitglied Daniel Wichmann. Auch bei ihm steht die Vollendung des 30. Lebensjahres vor der Tür, im Gegensatz zu Jonathan ist er aber mittlerweile promovierter Maschinenbauer, der seinen künstlerischen Ambitionen in der Freizeit nachgeht. Im Gegensatz zu Oliver Morschel, Jonathans anderer Besetzung: Er schaffte es kürzlich, an der renommierten Folkwang-Hochschule einen Platz in der Studienrichtung Musical zu ergattern - nur sechs Bewerber werden im Jahr dazu auserkoren.

Die Begeisterung des Ensembles für das Musiktheater geht weit zurück. Pate stand die frühere Musical AG an der Europaschule, die sich vor 15 Jahren gegründet hatte. Vor neun Jahren führte die damalige Schülertruppe Larsons „Rent“ auf, später gab ein Gespräch bei der Geburtstagsfeier Wichmanns den Ausschlag, auch Larsons früheres Werk auf die Bühne zu bringen, nun komplett in eigener Verantwortung. „Bevor Du 30 wirst, machen wir das“, erklärte Franck. Als dann die Aufführungsrechte zu unerwartet kulanten Konditionen erworben werden konnten, stand die Marschrichtung des engagierten Teams fest. Es ist die Deutschlandpremiere des hierzulande wenig bekannten Musicals, die Texte übersetzten die Beteiligten selbst.

14 von einer Live-Band dargebotene Songs - gitarrenlastig und ohne „weichgespültes ,Cats-Herumgetanze“, wie Franck versichert -, erwartet die Zuschauer bei der Premiere am Donnerstag um 19.30 Uhr und bei den weiteren Aufführungen. Und ein routiniertes Ensemble, dessen Ansporn durch Fachpublikum noch verstärkt wird: Hauptdarsteller Morschel hat sowohl Dozenten der Folkwang-Hochschule als auch Studienkollegen eingeladen.



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