Erstellt 10.03.10, 12:04h, aktualisiert 10.03.10, 12:28h
Also, ehrlich gesagt, habe ich auch gerade noch etwas Salat runterschlucken müssen - ich esse schon sehr gerne. Ich bin übrigens auch der, der kocht bei uns in der Familie.
Und was kochen Sie am liebsten?
Ich habe eigentlich nicht so einen ausgesprochenen Favoriten. Heute Mittag habe ich etwas Einfaches gemacht: Spaghetti Vongole. das ist bei allen sehr beliebt!
Haben Sie sich auch schon selbst an die Molekularküche gewagt?
Nur bei der Recherche - ich habe einfach nicht die Instrumente, aber ausprobieren würde ich's schon gerne mal. Was ich mache, ist Destillieren, mehr so altmodische Rezepte für Lavendel- oder Zwetschenschnäpse. Ich habe mir immer gesagt: Wenn „Der Koch“ ein Erfolg wird, leiste ich mir einen Rotationsverdampfer. Und das scheint ja Wirklichkeit werden zu können.
Was der Koch Maravan bei Ihnen zaubert, hat derart erotisierende Wirkung, dass sein Service „Love Food“ floriert - mit einer Kollegin bietet er Abendessen an, die geradewegs zum Ziel führen. Glauben Sie, dass man jemanden buchstäblich ins Bett kochen kann?
Ich glaube schon, dass es Essen gibt, das eine aphrodisierende Wirkung hat, und da sind die ayurvedischen Mediziner seit Jahrhunderten Weltmeister. Aber das braucht Zeit. Dass man jemanden an nur einem Abend ins Bett kochen kann, das funktioniert, glaube ich, nur in meinem Roman. Aber wenn beide es wollen, reicht wohl auch eine Currywurst.
Sie beschreiben die Hochküche als Kunst, das Kochen als Verwandeln des Vertrauten in etwas Neues. Gibt es für Sie Parallelen zu Ihrer Kunst?
Schon, das hat miteinander zu tun. Das Überraschen und das Bestätigen sind auch zwei Zutaten beim Schreiben. Wenn ich etwas lese und denke, ach, jetzt passiert gleich das und das, und es passiert, dann ist das eine Befriedigung - genau wie das Gegenteil. Wenn etwas aussieht wie Kaviar und schmeckt wie Campari, ist das eine schöne Überraschung.
Wie Ihr Roman - der mit einer prickelnden Mischung unterschiedlichster Themen aufwartet. Wie haben Sie diesen Plot entwickelt?
Ich wollte eine Geschichte, bei der die Hauptfigur etwas kann, womit sie andere Leute beeinflussen kann, und ein paar Figuren, die diese Fähigkeit für ihre Zwecke nutzen wollen. Das war die Ausgangslage. So kam ich aufs Kochen, dann auf die erotisierende Wirkung. Aber es durfte kein Spitzenkoch sein, sondern ein Underdog - ein Küchengehilfe. Das sind in der Schweiz oft Tamilen. Dann suchte ich noch die erotisierende Küche und kam auf die ayurvedische - durch diese zwei Vorgaben kam der Bürgerkrieg dazu.
Es spielen aber auch andere Ereignisse eine Rolle - und zwar derart aktuell, dass sogar noch der Amoklauf von Winnenden vorkommt, was erstaunlich gut funktioniert.
Ich wollte einmal einen Zufallsgenerator anwerfen, sehen, was passiert, wenn ich in meine genau geplante Geschichte das Weltgeschehen einbaue. Das Buch beginnt im März 2008, mit dem Schreiben habe ich etwa zwei Monate später angefangen und am Anfang zeitlich immer etwas zurückgespult. Es war fertig, als zufällig auch der Bürgerkrieg in Sri Lanka zu Ende war. Den Schluss habe ich in Echtzeit geschrieben.
Durch den Bürgerkrieg und seine Hintergründe in Sri Lanka, der Heimat des Kochs, bekommt das Buch eine starke politische Ausrichtung; war das Ihre Absicht?
Ich bin nicht der Autor, der Bücher mit politischen Botschaften schreibt, aber das ist halt passiert. Und klar, ich war schon dort und habe eine Beziehung zu Land und Menschen. Aber ich wollte nicht unbedingt die Leser aufrütteln - wobei ich natürlich schon eine eigene politische Meinung habe, die verstecke ich nicht.
Das gilt auch für die Schilderungen des Alltags der Migranten, ihre Sorgen um die Familie, die Angst vor Abschiebung, die Diskriminierung.
Ja, ich habe mit den Menschen gesprochen und da recherchiert.
Gleichzeitig werfen Sie einen herrlich satirischen Blick auf den wenig diskreten Charme der Schweizer Bourgeoisie. Sie leben in Guatemala und auf Ibiza - hat man von außen einen schärferen Blick?
Nein, wenn man mit einer bestimmten Schicht zu tun hat, beschreibt man sie so, wie man sie in Erinnerung hat. Und ich kenne sie einfach relativ gut.
Letzte Frage: Manche werfen ihnen polierte Unterhaltungsliteratur vor. Ärgert Sie das?
Im Gegenteil, ich finde Unterhaltungsliteratur schwer in Ordnung und freue mich, wenn sie mir gelingt. Ich schreibe ja nichts Seichtes.
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22. April 2012,
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