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Lebenslange Haft wegen Mordes gefordert

Von ULRIKE SCHÖDEL, 10.03.10, 07:18h

In diesem Mordprozess ist nur eines sicher: Die beiden Angeklagten Ludwig L. (alle Namen geändert), der 50-jährige Kfz-Mechaniker aus Niederpleis, und Sara S., die 35-jährige...

BONN / SANKT AUGUSTIN-NIEDERPLEIS. In diesem Mordprozess ist nur eines sicher: Die beiden Angeklagten Ludwig L. (alle Namen geändert), der 50-jährige Kfz-Mechaniker aus Niederpleis, und Sara S., die 35-jährige Prostituierte, waren offenbar ganz scharf auf das viele Geld, das sie in der Handtasche von Angie gesehen hatten: Die 37-jährige Prostituierte trug die Geldscheine - 40 000 Euro sollen es gewesen sein - stets bei sich in einer braunen Plastiktüte. Ein gemeinsamer, perfider Raubplan soll daher entstanden sein: Ludwig L., so vermutet die Anklage, sollte sich bei Angie einen Massagetermin geben lassen, und Sara S., die ebenfalls im Bonner Eroscenter arbeitete, sollte ihm per SMS einen Hinweis geben, wann die Luft rein ist.

Am 27. Juni 2009 wurde Angie in ihrem Zimmer aufgefunden, ermordet und um sämtliche Ersparnisse beraubt. Für die Bonner Staatsanwältin ist Ludwig L. eindeutig der Täter, durch zahlreiche DNA-Spuren am Tatort überführt: Spuren an einem Vorhangstoff, mit dem die Plastiktüte um den Kopf der Ermordeten festgemacht worden war. Spuren unter den Fingernägeln der Getöteten, die sich laut Gutachter gegen ihren Mörder gewehrt hatte.

Am Ende ihres Plädoyers forderte die Anklägerin für Ludwig L. eine lebenslange Haft wegen Mordes und schweren Raubes. Gleich drei Mordmerkmale hatte sie festgestellt: Habgier, Heimtücke und die Ermöglichung einer Straftat. Darüber hinaus plädierte sie auf eine besondere Schwere der Schuld.

Ludwig L. hat im Prozess sowohl den Raub als auch die Tötung bestritten. Tatsächlich sei er in der Nacht zuvor bei Angie gewesen, habe sich von ihr massieren lassen. Dort aber habe er den ursprünglichen Plan fallen gelassen.

Der 50-Jährige sei definitiv aus dem „Tatplan" ausgestiegen und nicht noch einmal in das Bordell zurückgekommen, sagte sein Verteidiger gestern vor Gericht. Als Angie am Nachmittag des 27. Juni getötet wurde, habe sich der Angeklagte in einer Spielhalle in Sankt Augustin aufgehalten. Der Verteidiger forderte Freispruch.

Noch einmal schwer belastet wurde gestern die mitangeklagte Sara S.: Nachdem der Tatplan schief gegangen sei, so Ludwig L.s Verteidiger, habe die 35-Jährige „improvisieren" müssen, vielleicht habe sie noch jemand anderen zu dem Raub angestiftet. Denn die Zeit drängte: Alle hätten gewusst, dass Angie für den 28. Juni ein Flugticket in ihre Heimat, die Dominikanische Republik, hatte.

Auch die Staatsanwältin hält Sara S. nicht nur, wie angeklagt, für eine Anstifterin zum Raub, sondern für eine Mittäterin. Es habe einen gemeinsamen Tatplan gegeben, von dem sie sich viel Geld versprochen habe. In ihrem Plädoyer forderte sie für die 35-Jährige wegen schweren Raubes sechs Jahre Haft.

Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.



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