Von DIETER BROCKSCHNIEDER, 10.03.10, 07:18h
Auslöser der monatelangen Recherche von Jan Rasmus und Düzen Tekkal war das Doku-Drama Zwei Welten, das seit Oktober in den Kammerspielen läuft und in 14 ausverkauften Vorstellungen von 5500 Zuschauern gesehen worden ist. Auch darin geht es um den Gegensatz zwischen denen da oben und denen da unten, zwischen Eliteschülern und rappenden Gangmitgliedern. RTL traf sich mit jungen Männern wie Ahmed (19), dessen Eltern aus dem Irak stammen; er gilt nach Angaben des Senders als Intensivtäter und ist auf Bewährung draußen. Die Polizei kennt ihn wie auch den Iraner Mehdi (26), der sechs Jahre wegen angeblich 1000 Einbrüchen gesessen hat und Polizei und Justiz hasst. Beide haben resigniert, sie bekämen ja doch keine Arbeitsstelle mehr, weil das Führungszeugnis schwarz sei. Wenn ein Arbeitgeber hört, dass ich Tresore geflext habe, kriege ich keinen Job, sagt einer. Für ihre Teilnahme am Dreh erhielten Ahmed und Mehdi je 50 Euro auf die Hand.
164 Einbrüche wurden seit Oktober in Bad Godesberg gezählt. Der Stadtmarketing-Verein hat reagiert und einen Sicherheitsdienst engagiert, der in der Innenstadt die Objekte observiert, deren Besitzer sich an den Kosten für die Citystreife beteiligen (die Rundschau berichtete). Wer es sich leisten kann, schützt sein Eigentum, heißt es in der Sendung.
Das scheint nötig, denn lediglich 43,1 Prozent aller 53 487 Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Bonn wurden 2009 aufgeklärt, bei Einbrüchen (1971 Fälle) nur jeder zehnte. Die Polizei weist in diesem Zusammenhang auf einen kleinen Personenkreis hin, der dafür verantwortlich sein soll: Eine geringe Zahl von Intensivtätern begeht eine große Zahl von Taten. Immer wieder werde einer erwischt, wie jener 17-Jährige aus Bad Godesberg, der am Montag hinter Schloss und Riegel kam. Die Polizei legt ihm, wie berichtet, mehrere Einbrüche und Raube zur Last.
Offiziell kommentieren indes will die Polizei den RTL-Film nicht, obwohl sie den Reportern geholfen hatte: Wir wollen uns die Aufzeichnung erst ansehen. Schweigen auch bei der Stadt Bonn: Wir kommentieren das nicht. Das Presseamt verweist auf Anfrage auf eine Stellungnahme von Familiendezernentin Angelika Maria Wahrheit vom vergangenen Oktober, in der sie anlässlich der Premiere von Zwei Welten gesagt hatte, es werde das Bild einer Angst erfüllten Bevölkerung suggeriert, das so nicht zutrifft.
Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann findet es schade, dass nicht gezeigt worden ist, was wir alles an Anti-Gewalt-Maßnahmen machen. Sie nennt das Quartiersmanagement im Ortsteil Pennenfeld, in dem viele Migranten wohnen, die offene Jugendarbeit im Jugendzentrum K 7 oder im Kleinen Muck auf der Koblenzer Straße. All das wurde nicht dargestellt.
Gezeigt wurden allerdings die Folgen von Gewalt: Ein Mann, der vor seiner Wohnung im Villenviertel nachts verprügelt worden war, wollte anonym bleiben, weil er die Rache der damaligen Täter fürchtet. Ein zweiter, der Optiker Michael Ebertz, berichtete, wie er nach einem wiederholten Einbruch in seinen Laden geweint habe, weil ich mich so ohnmächtig fühle und nichts dagegen tun kann.
Das ist vielleicht der berührendste Moment, wie Ebertz mit zwei Tätern zusammentrifft und sie sich die Hand geben. Das Fernsehen inszeniert den Täter-Opfer-Ausgleich. Ich bin stolz auf Dich, dass Du mit mir sprichst, sagt Ahmed zu Ebertz, bevor sie auseinander gehen - jeder in seine Welt.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt