SANKT AUGUSTIN. Dem lieben Kollegen gingen die Bilder der komplizierten Kopf-Operation in der Kinderklinik sichtlich nahe, das gestand Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler, der im Amt erstmals ein Krankenhaus besuchte. Man weiß in Berlin vor lauter Zahlen oft nicht mehr, worüber man eigentlich spricht, sagte Rösler, selbst Hals-Nasen-Ohrenarzt. Die Direktoren der Asklepios-Klinik schilderten eindringlich einige schwierige Fälle, ersparten dem FDP-Politiker die Zahlen aber nicht. Die Klinik wirtschaftet zwar seit 2005 mit Gewinn, zu schaffen mache aber dem Deutschen Kinderherzzentrum die Vielzahl weiterer Herzzentren. Laut einem Gutachten könnten drei, höchstens vier Herzzentren in Nordrhein-Westfalen die etwa 900 Operationen jährlich bewältigen - und dabei die für die Qualität erforderliche Mindestzahl von 250 OPs erreichen, so der Herzspezialist Dr. Boulos Asfour. Das Sankt Augustiner Kinderherzzentrum behandle zu 40 Prozent Patienten mit höchst komplexen Herzfehlern, und diese Operationen seien vergleichsweise teuer. Mehr einfachere OPs brächten einen höheren Ertrag. Nur Mindestzahlen bringen eine Zentralisierung, warb Asfour. Nächstes Problem: Für 2010 ist eine Renovierung der Kinderklinik, Baujahr 1971, geplant. Doch NRW bewillige als einziges Bundesland keine Einzelfördermittel mehr, sagte Klinikgeschäftsführer Detlef Czieszo. Die Pauschale von 540 000 Euro würde nur einen Bruchteil der benötigten 15 Millionen Euro ausmachen.
Rösler zeigte sich beeindruckt beim Rundgang durch die Klinik, in der so viele Spezialisten Hand in Hand arbeiten. Zum Wohle der Patienten, wie im Falle eines Kleinkindes, das eine Senkkopfschraube verschluckt hatte. Ein geschickter Kinderkardiologe verhinderte eine Lungenresektion, indem er das Metallteil mit Drähten aus den Bronchien fischte.