Von ULRIKE SCHÖDEL, 10.03.10, 07:09h
Ein Raubplan entstand. Der Mechaniker sollte sich bei der Geldbesitzerin einen Massagetermin geben lassen und seine Kumpanin, die ebenfalls im Bonner Eros-Center arbeitete, sollte ihm per SMS einen Hinweis geben, wann die Luft rein ist. Am 27. Juni 2009 wird das Opfer in seinem Zimmer aufgefunden. Ermordet und der Ersparnisse beraubt. Für die Staatsanwältin ist der Mechaniker eindeutig der Täter, durch zahlreiche DNA-Spuren am Tatort überführt: Spuren an einem Vorhangstoff, mit dem die Plastiktüte um den Kopf der Ermordeten festgemacht war. Oder auch die Spuren unter den Fingernägeln der Getöteten.
Am Ende ihres Plädoyers forderte die Anklägerin für den Mann lebenslange Haft wegen Mordes und schweren Raubes. Gleich drei Mordmerkmale zählte sie auf: Habgier, Heimtücke und die Ermöglichung einer Straftat. Darüber hinaus plädierte sie auf eine besondere Schwere der Schuld. Der Angeklagte hat im Prozess Raub und Tötung bestritten: Tatsächlich sei er in der Nacht zuvor bei der Frau im Eros-Center gewesen, habe sich von ihr massieren lassen: Dort aber habe er den ursprünglichen Plan fallen gelassen. Der 50-Jährige sei definitiv aus dem Tatplan ausgestiegen und nicht noch einmal ins Eros-Center zurückgekommen, so sein Verteidiger. Als die Frau am Nachmittag des 27. Juni getötet wurde, habe sich der Angeklagte in einer Spielhalle in Sankt Augustin aufgehalten. Der Verteidiger forderte Freispruch.
Noch einmal schwer belastet wurde gestern die mitangeklagte 35-Jährige. Nachdem der Tatplan schief gegangen sei, so der Verteidiger des 50-Jährigen, habe die 35-Jährige improvisieren müssen, vielleicht habe sie noch jemand anderen zu dem Raub angestiftet. Denn die Zeit habe gedrängt: Alle hätten gewusst, dass die 37-Jährige für den 28. Juni ein Flugticket in die Heimat hatte. Auch die Staatsanwältin hält die 35-Jährige nicht nur - wie angeklagt - für eine Anstifterin des Raubes, sondern für eine Mittäterin. Es habe einen gemeinsamen Tatplan gegeben, von dem sie sich viel Geld versprochen habe: In ihrem Plädoyer forderte sie für die 35-Jährige wegen schweren Raubes sechs Jahre Haft. Ein Urteil wird für kommende Woche erwartet.
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