Von Uli Jansen, 10.03.10, 10:07h
Rund 800 solcher Termine sind parallel zur Regionale 2010 in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren geplant. Schifffahrten gehören beispielsweise ebenso dazu wie geführte Wanderungen mit Kölns Alt-Oberbürgermeister Fritz Schramma oder Radtouren für Kinder entlang der Sieg. Die Angebote sind immer an Projekte der Regionale gekoppelt. Allerdings will Molitor vermeiden, dass die Teilnehmer durch allzu viele Fakten ermüden. Vielmehr sollen die einzelnen Touren, von denen der überwiegende Teil kostenlos ist, das jeweilige Projekt zwar einbinden, aber nicht dominieren.
„Die Heimat neu entdecken“, ist Molitors erklärtes Ziel. Das können Kölner, Gummersbacher oder Wipperfürther derzeit gleichermaßen wie beispielsweise Bürger aus Wesseling. Denn im Rahmen der Regionale 2010 tut sich einiges. Was zuerst nur eine Vision war, die später dann wenigstens im Modell oder am Reißbrett zu sehen war, wird jetzt offensichtlich. „Die Spatenstiche sind fast alle erfolgt“, vermeldet Regionale-Geschäftsführer Molitor. „Jetzt gibt es einen Schwupps in Richtung Zukunft.“
Nicht jedes derzeit im Bau befindliche Projekt wird sofort mit dem Landesstrukturprogramm in Verbindung gebracht. Tatsache ist aber, dass der Rheinboulevard oder die Archäologische Zone in Köln ebenso wie die Umwidmung des Steinmüller-Geländes in Gummersbach oder der Abriss des 70er-Jahre-Ungetüms, das als Restaurant den Drachenfels beherrscht, nur mit Hilfe der Regionale 2010 umgesetzt werden können.
Die Städte Köln und Bonn sowie die Kreise Rhein-Sieg, Rhein-Erft, der Oberbergische Kreis und der Rheinisch Bergische Kreis hatten nach dem Regionale-Aufruf in 2003 mehr oder weniger schnell begriffen, dass mit dem Programm auch eine stattliche Summe Fördermittel des Landes, des Bundes und der Europäischen Union vergeben werden. 300 Ideen waren vor sieben Jahren eingegangen, 50 Projekte haben der Prüfung standgehalten und befinden sich nun in der Umsetzungsphase. Wie hoch die Summe letztlich sein wird, die tatsächlich in die Maßnahmen fließt, kann Molitor bislang nur grob abschätzen: „Zwischen einer halben bis zu einer Milliarde Euro werden es am Ende sein“, vermutete der Regionale-Chef.
Bei den inzwischen knappen Kassen der meisten Gemeinden ist diese Anschubfinanzierung daher dringend nötig gewesen, andernfalls hätten einige Projekte gar nicht erst angepackt werden können, ist sich Molitor sicher. Doch hat das Haushaltsloch dazu geführt, dass einige der ambitionierten Städte- und Landschaftsneugestaltungen kräftig abspecken mussten.
Die Umgestaltung des Umfeldes des Altenberger Domes und die Neugestaltung des Bonner Rheinufers wurden sogar ganz gekippt. Denn dazu hatte das Geld in den Kommunen nicht gereicht. Diese müssen immerhin zwischen zehn und 30 Prozent der Kosten selbst tragen. Einige „Leuchtturmprojekte“ vor allem aus dem Bereich der Stadtentwicklung verschlingen einen Großteil der Fördermittel, die aus insgesamt 120 verschiedenen Fördertöpfen stammen: So kostet die Neugestaltung der ehemaligen Mülldeponie Leppe in Lindlar rund 30 Millionen Euro. Dafür entsteht unter dem Namen „Metabolon“ ein neues Gewerbegebiet, eine außerschulische Forschungsstation, die sich um die Energiegewinnung aus Müll bemüht und ein Naherholungsgebiet auf der Kippe, das künftig einen Mountain-Bike-Parcours beherbergen soll.
Auch die Neugestaltung der Industriebrache auf dem Gummersbacher Steinmüller-Gelände bindet rund 20 Millionen Euro. Weitere 34 Millionen gab es vom Land NRW dazu, dafür entstand ein Campus der Fachhochschule Köln.
Die Projekte haben positive Folgewirkung: So haben sich rund um das Steinmüller-Gelände Firmen angesiedelt und ein Kindergarten eröffnet. Einem aus der öffentlichen Hand investierten Euro folgen zwei Euro private Mittel - die Faustformel galt schon für die fünf vorherigen Regionalen.
Vorzeigewirkung hat die Regionale 2010 jedenfalls schon vor ihrer offiziellen Eröffnung: „Wir haben Anfragen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland“, sagt Reimar Molitor. Alle wollten neugierig von den Planern wissen: „Wie habt Ihr das gemacht?“
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