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Kunstrasen duldet häufigere Nutzung

Von DIETMAR FRATZ, 11.03.10, 07:03h

„Kunstrasenplätze sind ohne Wenn und Aber wünschenswert, wenn Geld keine Rolle spielt.“ Auf das klare Endergebnis der Begegnung Wunsch gegen Wirklichkeit brachte...

BERGHEIM. „Kunstrasenplätze sind ohne Wenn und Aber wünschenswert, wenn Geld keine Rolle spielt.“ Auf das klare Endergebnis der Begegnung Wunsch gegen Wirklichkeit brachte Professor Christoph Breuer sein Gutachten, das er im Rahmen der Sportentwicklungsplanung für die Stadt Bergheim gefertigt und jetzt vorgestellt hat. Im März 2009 hatte die Stadt dem Professor für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule Köln den Auftrag für die Fortschreibung des Plans und die Bewertung von Kunstrasen-Spielfeldern in Auftrag gegeben.

Nach Bestandserhebung, Bevölkerungsumfrage und Qualitätssichtung ermittelte das Gutachten die Ist- und Sollzahlen mit einer Prognose für die nächsten zehn Jahre. Zur „Bestands-Bedarfs-Bilanzierung“ wurde der Leitfaden des Bundesinstituts für Sportwissenschaft herangezogen. Demnach wären für einen mehr oder weniger luxuriösen Sportbetrieb zehn weitere Spielfelder im Stadtgebiet wünschenswert. In Quadrath-Ichendorf ist die Auslastung sehr hoch, in Fliesteden dagegen geringer. Die übrigen Stadtteile liegen dazwischen, mit Tendenz zur Überlastung.

Entsprechend der Intensität der Nutzung ist häufig die Qualität der Fußballfelder zu bewerten. Hier kommt die Strapazierfähigkeit ins Spiel. Während ein Rasenplatz 400 bis 800 Stunden pro Jahr anstandslos hinnimmt, schafft ein Tennenplatz mit 1000 bis 1500 Stunden locker das Doppelte. Tabellenführer ist jedoch eindeutig der Kunstrasen, der sich 2000 bis 2500 Stunden im Jahr - und nebenbei auch bei Schnee und Regen - bespielen lässt. Diese Geduld lässt sich der Kunstrasen jedoch bezahlen. Ein Tennenplatz kostet 360 000 Euro und muss alle zehn Jahre für 45 000 Euro erneuert werden. Der Rasen hält 20 Jahre, kostet 370 000 und die Renovierung 60 000 Euro. Deutlich teurer ist der Kunstrasenplatz mit über 600 000 Euro, der 15 Jahre hält und dann 211 000 Euro verschlingt.

Alle Zahlen gebündelt, kostet eine Stunde auf der Tenne 40, auf dem Rasen 66 und auf Kunstrasen knapp 30 Euro. Auf lange Sicht rechnet sich das also schon besser für das künstliche Kickergrün. Dennoch ist die Anfangsinvestition erheblich, und die Politik muss gut überlegen, ob die Situation so ausreicht oder Geld in die Hand genommen wird. „Es ist eine Frage, welchen Standard sich die Stadt leisten will und kann“, resümierte der Erste Beigeordnete Peter Ludes, der auch die erstellte Prioritätenliste nach Stadtteilen mit Vorsicht betrachtet wissen will, die nach rein statistischen und systematischen Gesichtspunkten erstellt worden sei.

Der Vorsitzende des Stadtsportverbands, Siegbert Zohner, legte Wert darauf, dass sein Verband die Diskussion nicht angestoßen habe. „Von uns kommen die unrealistischen Forderungen nicht“, stellte er klar, obwohl auch er Kunstrasen für „exzellent“ hält „gegenüber den verfluchten Aschenplätzen“, die - wie manche Rasenplätze - in zum Teil schlechtem Zustand seien. Die FDP und im Nachgang auch die Grünen hielten es für gänzlich überflüssig, angesichts der Haushaltslage über solche Investitionen nachzudenken.



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