Von Joachim Schmidt, 10.03.10, 22:11h, aktualisiert 11.03.10, 16:21h
Kann man es ihm glauben? „Ja“, sagt Sabine Kehm, „ er ist einfach nur Racer - mit Leib und Seele.“ Die Frau muss es wissen. Seit einem Jahrzehnt begleitet die ehemalige Journalistin Michael Schumacher als seine Pressesprecherin. Ihr Arbeitgeber sei jemand, der auf der Suche nach dem Limit sei, nach der perfekten Runde.
Ohne Leistungsvergleiche hielt er es nicht aus
Als Michael Schumacher im Herbst 2006 seine Karriere beendete, nicht zuletzt auch auf sanften Druck seines Ferrari-Teams, wollte er nur noch für Ehefrau Corinna und die beiden Kinder da sein. Doch lange hielt es der damals 37-Jährige nicht ohne Leistungsvergleiche auf Rennstrecken aus. So kehrte er zu seinen Wurzeln im Kartsport zurück und nahm an Motorradrennen teil.
Ein solches hat letztlich auch Schicksal dafür gespielt, dass der gebürtige Rheinländer am Sonntag beim Formel-1-Auftakt in Bahrain das wahrscheinlich weltweit am meisten beachtete Comeback der Sportgeschichte seit Muhammad Ali im Jahr 1980 feiern wird.
Denn hätte er sich nicht vor einem Jahr bei einem Sturz mit seinem Rennmotorrad einen Schädelbruch zugezogen, wäre er im vergangenen August für den schwer verletzten Felipe Massa bei Ferrari eingesprungen. Diese Beinahe-Rückkehr aber ließ die nie verflogene Sehnsucht, sich noch einmal mit den besten Rennfahrern der Zeit zu messen, bei Schumacher wieder aufflammen. Der Umstand, dass sich Mercedes - seine alte Liebe - mit einem eigenen Team unter der Führung seines Freundes Ross Brawn selbstständig machte, bildete den idealen Rahmen.
Geradezu kitschig-perfekt wirkt das Ganze dadurch, dass die Vollgas-Branche unter einem erheblichen Image- und Interessenverlust litt. Skandale sorgten für mehr negative Schlagzeilen, als es der so genannten Königsklasse des Motorsports gut tat. Und die vermeintlichen neuen Stars, egal ob sie nun Fernando Alonso, Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton oder Jenson Button heißen - allesamt Weltmeister -, entwickelten nicht das Charisma und polarisierten nicht so, wie es Schumacher tat und wieder tun wird.
Als Formel-1-Promotor Bernie Ecclestone von der Rückkehr des siebenmaligen Weltmeisters erfuhr, brach der Brite in Jubel aus. Er weiß nur zu gut, dass mit dem Superstar sowie der Wiedergeburt der legendären Silberpfeile in Mercedes-Eigenregie die verlorene Dynamik in den Vollgas-Zirkus zurückkehren kann. Dass es so kommt, davon geht man beim Kölner Forschungsinstitut Sport+Markt fest aus. So rechnen die Fachleute mit einem Wachstum von 20 Prozent bei den Fernsehquoten, die in den letzten Jahren in Deutschland wie weltweit massiv einbrachen.
Roman Steuer, Sportchef bei Sky, empfindet Schumachers Rückkehr als „ein großes Geschenk“, und RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt spricht von einem „Glücksfall“. Der Kölner Sender verkauft derzeit die 30-Sekunden-Werbespots für 93 300 Euro. Damit befindet man sich nach massiven Einbrüchen in den Vorjahren fast wieder auf dem Niveau von Schumachers letzter Rennsaison, als man 117 000 Euro kassierte.
Beim Bezahlsender Sky, bei dem man die Rennen bekanntlich auf mehreren Kanälen aus den verschiedensten Perspektiven verfolgen kann, wurde eine exklusive Cockpit-Kamera ins Programm genommen, die ausschließlich Michael Schumacher im Fokus hat.
Da versteht es sich von selbst, dass RTL dem Heroen eine Sondersendung widmet. „Die Legende ist zurück“, lautet der ebenso simple wie alles sagende Titel. Ausgestrahlt wird der 40-minütige Streifen am Samstag ab 10.45 Uhr und am Sonntag ab 11 Uhr.
Schumacher selbst nahm sich für die Vorberichterstattung bei den beiden deutschen Formel-1-Sender viel Zeit. Mit der ging er bei anderen Medien- und Sponsorenauftritte weitaus sparsamer um. Warum? „Wegen der ständigen Erwartungshaltung von Öffentlichkeit, Presse und Sponsoren“, begründet der 41-Jährige. Deshalb ließ er sich in seinen vergleichsweise günstigen 20 Millionen Euro teuren Dreijahresvertrag mit Mercedes festschreiben, „dass ich nicht zu viele PR-Termine absolvieren muss“.
Schließlich soll ihm die Formel-1-Rückkehr vor allem Spaß machen. Und daneben möchte er Erfolg haben, den achten Weltmeistertitel einfahren. Wie schwierig das wird, weiß Michael Schumacher: „Mir ist bewusst, dass es für viele meiner Konkurrenten ein großer Reiz ist, mich zu schlagen. Auch daraus schöpfe ich meine Motivation für das Comeback. Ich liebe diesen Kampf. Genau deshalb bin ich zurückgekommen.“
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