Von Jan Wördenweber, 11.03.10, 18:08h, aktualisiert 19.03.10, 13:43h
Wer bei der Premiere des in Köln beheimateten Zirkus' im Zelt auf den Neumarkt dabei ist, erlebt einen Abend voller Poesie und Illusion. Selbst akrobatische Ausnahmekönner in der Luft und am Boden verbinden in ihren Nummern einzigartige Eleganz und Emotionen. Nicht wenige Zuschauer haben hier und da Tränen in den Augen - nicht nur vor Rührung, sondern weil Roncalli auch für eine geballte Ladung Blödsinn steht.
Nicht Direktor Bernhard Paul, sondern sein Schwager David Larible ist der eigentliche Herrscher in der Manege. Er zieht „Freiwillige“ aus dem Publikum in die Manege, um gemeinsam eine Nummer einzustudieren. Sei es ein umjubeltes „Viva Colonia“ als Glockenspiel oder Laribles Klassiker, die wahnwitzige Opern-Szene aus „La Triviata“.
Eine Frau traut ihren Augen nicht, als Larible ihren Freund in einen FC-Geißbock verzaubert. Doch der Italiener zelebriert auch die leisen Momente. Etwa, wenn er vergeblich einem Licht hinterher zu haschen versucht - bis es plötzlich zu ihm kommt. Laribles hübsche Tochter Shirley glänzt mit einer zauberhaften Luftnummer ebenso wie vorher ihre Cousine, Bernhard Pauls Tochter Vivian. Pauls jüngere Tochter Lili ist bei der Eröffnung mit dabei ebenso wie sein Sohn Adrian, der mit aufbaut, Platzanweiser ist und in der Zirkusband sitzt.
Nachdem die aufgespielt hat, gehört die Manege zwei Komikern der Extraklasse: „Vik & Fabrini“, ein Magier und eine Puppe - möchte man meinen. Doch die Puppe lebt. Menschliche Züge hat auch eines der Zwergpferde von Karl Trunk. Ebenso neu im Programm wie Trunk ist Dustin, der sich mit seinen weißen Bällen auf den Spuren des Jahrhundertjongleurs Enrico Rastelli bewegt.
„Smile“ heißt das neue Bühnenprogramm, das bis zum 11. April auf dem Neumarkt zu sehen ist. Da es der dritte Teil der Reminiszenz an die Beatles ist, stehen Hits wie „Come together“ oder „Here comes the sun“ im Vordergrund. Respekt und Riesenbeifall für die Band um Kapellmeister Georg Pommer. Bernhard Pauls neue Nummer „Zippo & seine Freunde“ dagegen ist ausbaufähig. Als Dompteur dressiert er Menschen in täuschend echt aussehenden Eisbär-Kostümen. Apropos Kostüme: Das Duo Minasov wechselt in Sekundenbruchteilen seine Outfits. So sehr man sich konzentriert - alles geht so schnell, dass man seinen Augen nicht traut. Das gilt auch für den „Gummimann“ Andrey Romanovsky. Er zeigt nicht nur, wie groß ein Spagatschritt sein kann, sondern erkundet einen schwankenden Schornstein, indem er in ihm verschwindet. Ein flotter Feger.
Bildschön dagegen die Golden Girls, die in Zeitlupe lebende Bilder zeichnen, umjubelt das Duo Bobrov, das eine atemberaubende Luftnummer zeigt und ein echter Hingucker ist Muskelmann Encho.
Symbolisch für Roncalli ist einmal mehr der Moment, als die Show vorbei ist: Der Abschied fällt schwer, Weißclown Gensi spielt bitter-süß auf der Geige, David Larible hebt ein bisschen Konfetti auf und trottet von dannen. So als wolle er etwas von der Freude mit nach Hause nehmen. Doch dann stoppt der Clown, seufzt und wirft die Papier-Schnitzel hinter sich in die Menge: Die gute Laune als Geschenk fürs Publikum. So funktioniert Roncalli. So schön.
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