Von Bianca Pohlmann, 11.03.10, 20:32h
Vater Julian war als 14-Jähriger ohne ein Wort Spanisch zu können vor der osmanischen Verfolgung aus dem Libanon geflohen. Mit einem Bruder eröffnete er in Mexiko-Stadt 1911, mitten in der mexikanischen Revolution, einen Gemischtwarenhandel namens „Estrelle del Oriente“. Zehn Jahre später hatte Julian seinen ursprünglichen Einsatz vervierfacht. Diesen Sinn fürs Geschäft und den Instinkt, in Krisensituationen zuzugreifen, übernahm Carlos Slim von seinem Vater.
Noch während er an Mexikos Autonomer Universität für sein Diplom als Bauingenieur - daher sein Spitzname „Der Ingenieur“ - paukte, unterrichtete er dort unter anderem Algebra. Mit 25 legte er das Fundament für seine Unternehmensgruppe „Carso“, der Name besteht aus den Anfangsbuchstaben seines Vornamens und dem von Soumaya Domit Gemayel, die er wenige Monate später im Jahr 1966 heiratete. Die beiden bekamen drei Söhne und drei Töchter, alle sind dem Familienimperium verbunden.
Billig kaufen, teuer verkaufenSlims Geschäftsidee ist ebenso simpel, wie erfolgreich: Günstige und angeschlagene Firmen kaufen, sanieren und gewinnbringend wieder verkaufen. „Gut kaufen ist eine Disziplin“, sagt er. Dass er sie beherrscht, bewies er in den 80er Jahren während des mexikanischen Finanzcrashs. Er kaufte Baufirmen, Versicherungen, Minen, Eisenbahnen, Blumenfelder, Unternehmen für Computertechnik, Reifen, einen Tabakvertrieb, Hotels, Kliniken, Konditoreien, Investmentfirmen, um nur ein paar Branchen aufzuzählen. Der entscheidende Coup gelang ihm 1990, als er die damals staatliche Telekommunikationsgesellschaft Telmex für 1,7 Milliarden Dollar kaufte. Experten hatten den Wert des Unternehmens auf ein Vielfaches geschätzt. Mit den Telefonunternehmen Telmex und Telcel gehört ihm quasi ein Monopol. Auch außerhalb Mexikos ist er aktiv: Er ist an der New Yorker Bekleidungskette Saks Fifth Avenue beteiligt, an Bell Canada, und 2009 half er der „New York Times“ mit einem 250 Millionen Dollar-Kredit aus der Krise.
Mit dem Erfolg kam auch die Kritik. Schließlich kann man in Mexiko kaum etwas tun - ob rauchen, telefonieren oder einkaufen - ohne dass die Slim-Familie daran verdient. Er lasse keinen Wettbewerb zu, kritisieren viele. Er mischt mit seinem Geld auch in der Politik mit, spendet an verschiedene politische Parteien. Aber nie konnten ihm Unregelmäßigkeiten bei seinen Geschäften nachgewiesen werden.
Zugleich ein großer MäzenAuf die Frage, wie man sich als reichster Mann der Welt unter den 50 Millionen Armen in seinem Land fühlt, antwortete Slim: „Meine Herausforderung ist es, die Gesundheitsbedingungen und die Bildung zu verbessern und Jobs anzubieten.“ In seinen Unternehmen arbeiten rund 210.000 Menschen. Seine Telmex-Stiftung vergab im vergangenen Jahr 209.000 Stipendien, spendete 131.450 Computer an Institutionen und Schulen, finanzierte 488.698 Operationen.
Seine große Leidenschaft gehört - neben den Zigarren - der Kunst. Carlos Slim besitzt die größte private Kunstsammlung Lateinamerikas mit rund 64.000 Werken unter anderem von Cranach, Picasso, Miró - und mit mehr als 130 Skulpturen von Rodin. Ende 2010 soll das Museum Soumaya, benannt nach seiner 1999 gestorbenen Frau in Mexiko-Stadt eröffnen.
Mittlerweile zieht sich der 70-Jährige immer mehr von den Geschäften zurück. Seine Söhne führen sie stellvertretend. Weitergeben will er, was er von seinem Vater gelernt hat. „Jemand fragte mich einmal, ob ich meinen Söhnen Geld hinterlassen werde. Ich glaube, wenn man ihnen ein Unternehmen hinterlässt, hinterlässt man Arbeit, Verantwortung und Engagement. Wenn man ihnen Geld hinterlässt, ich weiß nicht wie viel, 100, 50, 30 oder 20 Millionen, dann hinterlässt man ihnen, Faulpelze zu sein, richtig?“
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22. April 2012,
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