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Fehde zwischen Türken und Kurden

Erstellt 12.03.10, 07:18h

Es war ein schöner Sommertag, erinnerte sich Mohammed L. (Name geändert). Der 29-jährige Zeuge, der vor einer türkischen Teestube in der Altstadt telefonierte, sah, wie plötzlich...

BONN. Es war ein schöner Sommertag, erinnerte sich Mohammed L. (Name geändert). Der 29-jährige Zeuge, der vor einer türkischen Teestube in der Altstadt telefonierte, sah, wie plötzlich zwei Autos vorfuhren, sechs junge Männer heraussprangen und sich bewaffneten: mit Baseballschläger, Schlagstöcken und einem Schlägel. Mohammed L. wurde gleich das erste Opfer eines Rachefeldzuges, der offenbar schon vor Jahren in der Altstadt zwischen türkischen und kurdischen Gruppen entbrannt war.

Die gezielte Aktion am 4. Juni 2008 richtete sich vor allem gegen den 19-jährigen Ali R. und seine Leute, von denen die Angreifer wiederum vor langer Zeit verprügelt worden sein sollen. Ali R. wurde in dem Café schwer zugerichtet, wobei er noch Schläge mit einem Stuhl abwehren konnte. Am Ende hatte er zwei Platzwunden am Kopf, die genäht werden mussten, Prellungen und eine Zahnverletzung.

Das Amtsgericht verurteilte nun vier der sechs Männer nach Geständnissen wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen: Für den 30-jährigen Anführer des Rachefeldzugs gab es zehn Monate Haft und 1000 Euro Buße, für zwei 27 und 25 Jahre alte Angeklagte acht und sechs Monate sowie ebenfalls Geldbußen. Nur der Jüngste, damals noch keine 21 Jahre alt, wurde verwarnt; er muss 80 Sozialstunden ableisten.

Über die Hintergründe des türkisch-kurdischen Altstadtkriegs war im Prozess kaum etwas zu erfahren: „Die haben Stress miteinander", hieß es. Die beiden Erzfeinde sollen aber einst Freunde gewesen sein. Ob es um ethnische Fragen, um Ehre oder Schutzgeld geht, konnte und wollte das Jugendschöffengericht nicht aufklären. Solche Rachefeldzüge in Bonn seien „unerträglich", so die Richterin.

Was die vier Angeklagten besonders zornig macht: In dem Verfahren, in dem Ali R. und seine Leute Angeklagte waren und sie die Opfer, sprach der damalige Amtsrichter im Dezember 2008 alle frei. Der Bandenkrieg drohte jetzt sogar auf den Fluren des Gerichts während einer Prozesspause weiterzugehen: Wachtmeister wurden gerufen, und die Richterin drohte sogar mit Ordnungsgeld und Festnahmen. (ucs)



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