Von GREGOR RITTER, 12.03.10, 07:03h
Dabei überraschte besonders das Votum der Christdemokraten: Sie befürworteten geschlossen den Vorschlag der Verwaltung, auch was die Ausweitung der zunächst für Sportstätten vorgeschlagenen Gebühren auf alle städtischen Gebäude betrifft. Und das, nachdem die CDU vor rund zwei Jahren im Rat für die Vereine eine kostenfreie Veranstaltung im Jahr durchgesetzt hatte. Seit Jahren habe sich die CDU-Fraktion dagegen ausgesprochen, die Vereine zu belasten, resümierte Ingpeer Meyer, Fraktionschef der SPD, und Bernd Krings stellte für die Grünen fest: Das hätten wir auch vor fünf Jahren haben können.
Nach dem Grundsatzbeschluss, so regte der CDU-Stadtverordnete Friedrich Löhr an, soll die Verwaltung in Kontakt mit Kerpener Vereinsvertretern treten und daraufhin einen angemessenen Vorschlag unterbreiten, wie hoch die Mieten ausfallen könnten. Dabei müsse es gerecht und sozialverträglich zugehen, ferner möge der organisatorische Aufwand so gering wie möglich gehalten werden. Gerade die Sozialverträglichkeit aber machte Wilhelm Dedecke für die Fraktion Die Linke Kummer. Für Geringverdiener, die Mitglieder in Vereinen sind, sah Dedecke durch die zwangsläufig folgenden Beitragserhöhungen Mehrbelastungen zukommen, die dann nicht mehr zu schultern seien. Im Gegenzug gab Bürgermeisterin Marlies Sieburg zu bedenken, dass für solche Fälle es Beitragsreduzierungen beziehungsweise Sozialplätze gebe.
Zum frühestmöglichen Zeitpunkt im nächsten Jahr sollen die Gebühren eingeführt werden, beschlossen die Politiker. Nach den Osterferien werden Gespräche mit den Vereinen und anderen betroffenen Zusammenschlüssen geführt, ferner will die Verwaltung in der nächsten Zeit eine Auflistung sämtlicher Immobilien in ihrem Besitz vorlegen.
Eine Möglichkeit soll den Vereinen bleiben, sich von den Gebühren zu befreien: die Eigenleistung. Ähnlich wie Hilal Maroc in Bergheim den Sportplatz pflege und dadurch keine Aufwendungen für dessen Nutzung habe, so Sieburg, könnten auch in Kerpen Eigeninitiativen bei der Instandhaltung der Gebäude zur Befreiung von der finanziellen Auflage führen. Dazu werde der Baubetriebshof ein Konzept entwickeln, kündigte Sieburg an.
Im Vorfeld der Entscheidung hatte der fraktionslose Stadtverordnete Erich Schütz scharfe Kritik geübt. Als Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Mödrath prophezeit er den finanziellen Kollaps. 80 Prozent der Mitgliedsbeiträge müsste der Ortsverein für die Gebühren abführen, hat Schütz errechnet, das wären rund 900 Euro von 1150 Euro. Von geplanten Protesten berichtet Schütz - davon war im Sportausschuss mit weniger als einer handvoll Zuhörer jedoch nichts zu spüren.
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