Von Katharina Hamacher, 11.03.10, 22:21h, aktualisiert 12.03.10, 11:35h
Auf persönlichen Wunsch von Roncalli-Direktor Bernhard Paul hat er sich für das neue Zirkusprogramm „Smile", das die Rundschau präsentiert, ganz besondere Kostüme ausgedacht. „Die Eisbären sind das Komplizierteste, was wir je gemacht haben und absolut einzigartig", erklärt Martin. Zwei Jahre hat es gedauert, die Raubtiere so naturgetreu wie möglich nachzubauen und dank komplizierter Technik zum Leben zu erwecken. Das charakteristische weiß-gelbe Fell hat eine Spezialfirma in Massachusetts entwickelt, die schon dem Riesenaffen in der Hollywoodverfilmung von King Kong das struppige Fell auf den Leib gebracht hat.
Mund und Augen ferngesteuert
Wie bei den echten Eisbären verleiht die schwarze Lederhaut auch den hellen Haaren der künstlichen Exemplare einen besonderen Schimmer. Scharfe Krallen ragen aus den schweren Tatzen und gefährlich blitzen die messerscharfen weißen Zähne auf, als das Raubtier langsam die Schnauze öffnet. „Mund und Augen werden über eine Fernsteuerung bedient", erklärt Abel Martin stolz, während er die Hand zwischen die Zähne des Bären schiebt. Die ausgeklügelte Technik hat er mit Hilfe von Experten entwickelt, die schon die Uhrzeitgiganten in Jurassic Park zum Leben erweckt haben.
Wie die komplexen Details genau funktionieren, verrät der Chefartist nicht. Was es mit dem winzigen silbernen Knopf im Nasenloch des Eisbären auf sich hat, gibt er aber doch preis. „Das ist eine Mini-Kamera, die mit einem Monitor im Inneren des Bären verbunden ist. So können die Artisten sehen, was um sie herum passiert", erklärt er und muss lachen, als er an ein kleines Malheur bei der Generalprobe denkt. „Da ist einer versehentlich an den Lichtknopf gekommen, der für Notfälle an der Kamera angebracht ist. Wir haben uns dann ziemlich gewundert, warum einer der Eisbären plötzlich leuchtet&"
Sowas kann schon Mal passieren, schließlich ist es ganz schön kompliziert, die schwerfälligen „Tiere" in Bewegung zu bringen. Während die Artisten mit den Füßen in den Hinterbeinen des Kostüms stecken, müssen sie die Vordertatzen mit hydraulischen Stelzen bewegen, denn ihre Arme sind nicht lang genug. Im kleinen Eisbären steckt Bernhard Pauls Tochter Vivian (20), die bei der Show zum ersten Mal dabei ist. Wie sich die echten Bären bewegen, haben Martin und seine Artisten vorher genau beobachtet. Die Idee hinter der Truppe, die zusammen in einer Kommune im spanischen Galicien lebt, ist Tiere in den Zirkus bringen, ohne sie dafür in Gefangenschaft zu nehmen. „Wir sehen sie lieber in Freiheit", so der Chef.
Doch obwohl „La Fiesta Escenica" alte Hasen im Zirkusgeschäft sind, ist die Eisbären-Nummer eine Herausforderung für sie. Allein 15 Minuten und einige Helfer sind nötig, nur um das Kostüm überzuziehen und mit Gurten um die Körper der Artisten zu schnallen. Wenn der Auftritt länger als vier Minuten dauern würde, bräuchten sie eine Sauerstoffflasche, denn sobald die Eisbärenköpfe aufgesetzt werden, kommt keine Luft mehr hinein. Allein 15 000 Euro kostet das Material eines Bärenkostüms, insgesamt belaufen sich die Kosten auf 40 000 Euro - theoretisch, denn verkäuflich ist die Spezialanfertigung natürlich nicht.
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