Von Wolfgang Mrziglod und Bernd Rupprecht, 13.03.10, 07:03h
80 Jahre - das Alter ist für Bernhard Worms noch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Wie seit Jahrzehnten, so steht Worms um 5.30 Uhr auf, um die Tageszeitungen zu lesen. Sobald das Wetter es wieder zulässt, wird er auch wieder seine morgendliche Runde auf dem Fahrrad durch die Felder rund um sein Domizil drehen. Danach beginnt sein Tagwerk. „Meine Devise ist es stets gewesen, dass die eingehende Post auch am gleichen Tag bearbeitet werden muss“, so der frühere Kommunalpolitiker.
Und er hat noch eine Menge Dinge zu erledigen. Worms kümmert sich auf lokaler Ebene um die Vereine und die Entwicklung der Stadt, er ist oft in Brüssel in seinem Büro der Europäischen Senioren-Union zu finden und reist quer durch die Republik, um Vorträge zu halten. Im vergangenen Jahr ist er 230-mal geflogen und fuhr rund 50 000 Kilometer mit seinem Auto.
Mit Interesse und wachem Blick verfolgt Bernhard Worms, was um ihn herum geschieht. Dazu gehören natürlich die aktuellen Vorwürfe gegen Einrichtungen der katholischen Kirche wegen sexuellen Missbrauchs ebenso wie die Vorwürfe gegen die Landes-CDU und der angeblichen Käuflichkeit seines politischen Ziehsohnes Jürgen Rüttgers. „Mich bedrückt das, und es hat mich auch sehr mitgenommen“, erklärt er, der überzeugt ist, dass die Aktionen der CDU an Rüttgers vorbei gelaufen sind. Zum Skandal in der Kirche ist seine Meinung klar: „Man hätte das ahnden müssen, nicht, wie früher geschehen, die Mitarbeiter versetzen.“
„Ich freue mich auf jeden Geburtstag, weil er zeigt, dass ich noch lebe“, lacht der gläubige Katholik, der seit 60 Jahren in seiner Gemeinde auch als Vorbeter mitarbeitet.. „Die Zahl ist dabei nicht so wichtig.“
Bei seinem Geburtstag vor fünf Jahren wünschte ihm, dem eingefleischten Fan und ehemaligen Vize-Präsidenten des 1. FC Köln, Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, dass sein Verein wieder aufsteigen werde. Das ist inzwischen in Erfüllung gegangen, und beim vergangenen Spiel freute er sich über das von allen seit Wochen erwartetet Tor von Podolski: „Ich hatte diesen Ball schon abgeschrieben.“
Wie sieht Bernhard Worms die Zukunft? „Nur rumsitzen und meditieren, dafür habe ich nicht die Kraft“, sagt er, der immer etwas zu tun haben muss. Und so wird er wohl auch im Herbst noch einmal für das Präsidentenamt der Europäischen Senioren-Union kandidieren. Hat er Angst vor dem Tod? „Nein, ich ordne mein Verhältnis zu Gott jeden Abend. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod.“
Die offizielle Feier des 80. Geburtstages von Worms durch die CDU Rhein-Erft findet übrigens erst am Sonntag, 28. März, im Kaisersaal der Brauweiler Abtei statt. Zu den Laudatoren werden dann Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm gehören.
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