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Missbrauchsfall erschüttert Hagerhof

Von CARSTEN SCHULTZ, 13.03.10, 07:18h

Die bundesweite Welle von Kindesmissbrauchs-Fällen an Schulen hat den Hagerhof in Bad Honnef erfasst. Ein heute 50 Jahre altes Opfer hat sich bei der Schulleitung gemeldet und...

BAD HONNEF. Die bundesweite Welle von Kindesmissbrauchs-Fällen an Schulen hat den Hagerhof in Bad Honnef erfasst. Ein heute 50 Jahre altes Opfer hat sich bei der Schulleitung gemeldet und berichtet, er sei Mitte der 70 Jahre von einem Erzieher missbraucht worden. Das bestätigte Schulleiterin Gudula Meisterjahn-Knebel. Der mutmaßliche Täter ist inzwischen verstorben.

Es herrschte bedrücktes Schweigen, als die Schulleiterin gestern Mittag vor den Schülern der privaten Einrichtung in der alten Turnhalle stand, sie über den bekannt gewordenen Fall informierte und die Gelegenheit geben wollte, Fragen zu stellen. „Kindesmissbrauch muss angeprangert werden“, betonte Meisterjahn-Knebel. „Die Täter müssen verfolgt werden.“

Aufgewühlt durch die Berichte über Kindesmissbrauch in den letzten Wochen hat ein früherer Internatsschüler, der von 1972 bis 1976 den Hagerhof besuchte, sich seines Schicksals erinnert und die Schulleitung informiert. Demnach hat ein damaliger Erzieher den Schüler zu Anal- und Oralsex gezwungen. Recherchen der Schule ergaben, dass der Erzieher Mitte der 70er Jahre in einem anderen Fall aufgefallen und fristlos entlassen worden war: Er soll einen Schüler gezwungen haben, Pornofilme mit ihm anzusehen. Dessen Eltern hätten auf eine Strafanzeige verzichtet, aber verlangt, dass im Zeugnis des Mannes stehen müsse, dass er nie wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten dürfe. Anfang der 2000er Jahre soll der Mann verstorben sein.

Weil seit Mitte der 70er Jahre zweimal der Träger des Hagerhofs wechselte, kann die heutige Schulleitung laut Meisterjahn-Knebel nur begrenzt auf Dokumente und Unterlagen zurück greifen. Gegründet wurde die Schule 1960; seit 1994 wird das Gymnasium Schloss Hagerhof von einer aus Eltern und Lehrern bestehenden Gesellschaft getragen. Rund 600 Schüler besuchen Gymnasium beziehungsweise Realschule, etwa 115 davon gehen ins Internat.

„Es wird sehr schwer herauszufinden, wer noch betroffen ist“, sagte Meisterjahn-Knebel vor der Schülerversammlung. Zumal sich auch das jetzt an die Öffentlichkeit gegangene Opfer nicht mehr an alle Details - etwa, mit wem er sein Zimmer teilte - erinnern könne. „Es kann sein, dass sich noch weitere Betroffene melden.“

Wie konnte das unbemerkt geschehen? Leidet das Image des Hagerhofs? Das waren Fragen, die Schüler gestern stellten und nach der Versammlung in den Klassen diskutierten. Meisterjahn-Knebel betonte, Lehrer und Schüler seien „tief getroffen“. Vor allem deshalb, weil die Schule seit Mitte der 90er Jahre ganz andere Wege gehe. „Die Schüler werden in den Gremien beteiligt und können mitreden“, beschreibt Meisterjahn-Knebel das heutige, auf der Montessori-Pädagogik basierende Konzept. „Offenheit und Transparenz sind uns wichtig.“

Den Schülern bot sie gestern an, ihnen jemanden zur Verfügung zu stellen, an den sie sich wenden könnten. Möglicherweise könne das ein Vertreter des Kinderschutzbundes sein. „Die Dinge gehören auf den Tisch“, stellte sie klar. Und gab den Schüler mit auf den Weg: „Man muss sagen, wenn man denkt, dass einem Unrecht geschieht.“

 www.hagerhof.de



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