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Lehrerin verbesserte Abiturklausuren

Von ULRIKE SCHÖDEL, 13.03.10, 07:18h

„Es war mein erstes Zentralabitur und der Druck war sehr groß", erinnerte sich gestern die Bonner Lehrerin Maria P. (Name geändert) an das Frühjahr 2008. Die 62-jährige...

BONN. „Es war mein erstes Zentralabitur und der Druck war sehr groß", erinnerte sich gestern die Bonner Lehrerin Maria P. (Name geändert) an das Frühjahr 2008. Die 62-jährige Pädagogin rang um Worte, um dem Gericht, aber auch sich selbst zu erklären, was vor zwei Jahren geschehen war: Als Leiterin eines Englischgrundkurses hatte sie die Abi-Klausuren von acht Schülern verbessert.

Wegen dieser Manipulationen musste sie sich wegen schwerer Urkundenfälschung vor dem Bonner Amtsgericht verantworten: Sie habe ihre Macht als Amtspersonen, so die Anklage, missbraucht. Die Schulaufsicht für die Stadt Bonn bei der Bezirksregierung in Köln war noch strenger: Die Pädagogin habe „im Kernbereich ihrer dienstlichen Aufgaben versagt"; die Behörde bestand auf einer strafrechtlichen Verfolgung.

„Es ist auch für mich schwer verständlich, warum ich das getan habe", sagte die Studienrätin ganz bleich. Nur an ein Gefühl könne sie sich erinnern: „Ich habe mich, als ich die Arbeiten gesehen habe, über die vielen Rechtschreibfehler erschrocken." Das sei sie von ihren Schülern, die sie zwei Jahre lang betreut hatte, nicht gewohnt gewesen.

Warum auch immer: Maria P. korrigierte fortan nicht nur mit einem Rotstift, sondern besserte mit Kuli oder Tinte nach - je nachdem, was der Schüler verwendet hatte. Vor allem tilgte sie viele orthographische Fehler. Der Zweitkorrektorin an einem anderem Gymnasium aber fielen die leichten farblichen Abweichungen in den Abi-Arbeiten auf und sie beriet sich mit ihrer Oberstufenkoordinatorin. Schließlich meldeten sie den Fall ihrem Schulleiter.

Dass Maria P. seit zwei Jahren an ihrem Fehlverhalten leidet, ist ihr auch anzusehen: Zehn Kilo hat die 62-Jährige, die seit über 35 Jahren Lehrerin ist, seitdem abgenommen. Neben ihrer persönlichen Scham, kommt sie kaum mit der Befürchtung zurecht, dass sie „ihrer Schule einen großen Schaden zugefügt hat". Auch dafür hat sie sich entschuldigt.

Maria P. hat noch Glück: Ihr Direktor hat sie trotz des Fehlers sehr gestützt; sie durfte in der Schule bleiben und hat 2009 auch wieder das Abitur abgenommen. In einem Brief an das Gericht entschuldigte der Schulleiter das Fehlverhalten der „zuverlässigen und gewissenhaften" Kollegin mit einem „panischen Blackout, in den sie durch Arbeitsüberlastung" geraten war.

Auch der Amtsrichter hat gestern die Not der Frau erkannt, die sich selbst die größten Vorwürfe macht. Schließlich kam er zu dem Ergebnis, dass die Manipulationen offenbar keine gravierenden Auswirkungen auf die Endnote der Abi-Arbeiten hatten. Denn orthographische Fehler machten nur sechs von insgesamt 150 zu erreichenden Gesamtpunkten aus. „Super erheblich war der Unterschied nicht", bestätigte auch eine Kollegin als Zeugin.

Schließlich schlug der Richter vor, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 1800 Euro einzustellen, auch wenn eine generalpräventive Entscheidung sinnvoll wäre, „damit so was keine Schule" mache. Aber er stellte die persönliche Verfehlung der Lehrerin in den Vordergrund.

Maria B. kamen am Ende die Tränen. Vorsichtig ging sie zum Richter und bedankte sich ganz leise. Auch die beiden Kolleginnen, die sie „erwischt" hatten, waren erleichtert: „Wir wollten gar nicht, dass das so eine große Sache wird, aber wir konnten es ja nicht so stehen lassen."



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