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Alle neun Minuten klingelt der Notruf 110

Von DIETER KRANTZ, 13.03.10, 07:09h

Sie sind in der Regel die ersten, die an einem Einsatzort eintreffen. Sie leisten einen Schichtdienst, dessen Belastungen auch die Familien treffen. Und sie sehen vielfach großes...

SIEGBURG. Sie sind in der Regel die ersten, die an einem Einsatzort eintreffen. Sie leisten einen Schichtdienst, dessen Belastungen auch die Familien treffen. Und sie sehen vielfach großes Leid: die 250 Männer und Frauen, die in der Direktion Gefahrenabwehr / Einsatz der Kreispolizeibehörde Siegburg Dienst tun, arbeiten, so ihr Dienstherr Landrat Frithjof Kühn, „im Kernbereich, wo die Polizei dem Bürger unmittelbar gegenüber tritt.“ Zum zweiten Mal stellten Kühn und führende Vertreter der Behörde gestern die Jahresbilanz dieser Beamten vor.

57 000 Einsätze leisteten die Männer und Frauen im vergangenen Jahr - gegenüber 54 000 im Jahr zuvor -, durchschnittlich wurde die Notrufnummer 110 alle neun Minuten gewählt. Gemeldet wurden insgesamt 8000 Verkehrsunfälle und 24 000 Straftaten. Herausragend in vielerlei Hinsicht war der versuchte Amoklauf am Albert-Einstein-Gymnasium in Niederpleis; zu den besonderen Einsätzen zählten aber auch eine Demonstrationsbegleitung in Windeck, ebenfalls im Mai, sowie im Spätherbst die Durchsuchung von Camp Altenrath in Troisdorf auf der Suche nach entflohenen Häftlingen aus Aachen, bei der die Beamten von Kollegen anderer Behörden unterstützt wurden.

Die Uniformierten kümmerten sich aber auch um 2960 Ruhestörungen, 1714 „verdächtige Personen“, mehr als 2000 Streitigkeiten oder 1300 hilflose Personen. Um diese Fülle an Aufgaben zu bewältigen, wurde im vergangenen Jahr auch in die Technik investiert: Alle rund 30 Streifenwagen wurden mit Navigationsgeräten ausgestattet, um schneller vor Ort zu sein. Etwa sechs Minuten, so Direktionsleiter Hans-Georg Polenz, verstreichen durchschnittlich bis zum Eintreffen nach einem Notruf „Täter am Ort“, ebenso schnell sind die Wagen an einem Unfallort, wenn dort jemand verletzt wurde. Andere Einsätze werden in der hochmodernen Leitstelle nach Dringlichkeit sortiert. Zunehmend würden die Beamten im Einsatz selbst Opfer von Gewalt, berichtete Hans-Georg Polenz: Von 1998 bis 2007 stieg die Zahl der Widerstandshandlungen um 65 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 100 Fälle nach 70 im Jahr 2008. Ärztliche Behandlung und teilweise tagelange Dienstunfähigkeit waren bei 16 Beamten die Folge.

Viel Feingefühl brauchen die Polizisten, wenn es um Fälle häuslicher Gewalt geht: 439 Mal wurden sie im vergangenen Jahr dazu gerufen, ein deutlicher Anstieg von 394 im Jahr zuvor. „Es passiert mehr“, ist die Wahrnehmung des Direktionsleiters; „und es geht durch alle Gesellschaftsschichten“. 208 Personen, ganz überwiegend Männer, mussten danach die Wohnung für zehn Tage verlassen. Leider nehme längst nicht jedes Opfer die angebotene Hilfe oder den Hinweis auf beratende Organisationen an. Von ganz anderem Charakter ist die Betreuung von Sportveranstaltungen: 1000 Personalstunden wurden allein aufgewendet, um den friedlichen Verlauf von NRW-Liga-Spielen des TSV Windeck zu gewährleisten.

Auf eine vor sechs Jahren erfolgte Befragung reagierte die Behörde mit verstärkter Präsenz auf den Straßen, um das Sicherheitsempfinden zu heben. Über 16 500 Stunden (ein Plus von 3600 gegenüber 2008) wurden hier geleistet; bekannte Angsträume wie Bahnhöfe oder das Areal der Burg Wissem werden regelmäßig von Streifen aufgesucht. Der Rotter See in Troisdorf und die Grünanlage am Antoniuskolleg in Neunkirchen wurden inzwischen von der Liste gestrichen.

Unvollständig wäre die Würdigung der Mitarbeiter ohne die Erwähnung der Diensthunde: Romy, Tyson, Campo und Barrick haben 2009 mehr als 1000 Einsätze mit ihren Hundeführern geleistet und acht Täter gestellt. 25 Mal entdeckten zusätzlich qualifizierte Tiere Rauschgift, mehrere Kilo Drogen wurden sichergestellt.



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