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Trommelfeuer auf farbenglühendem Vulkan

Von PETER LORBER, 13.03.10, 07:09h

Mit Carl Palmer gastierte jetzt ein Musiker im Kubana Live-Club, der alleine schon deshalb zu den Giganten der Rockmusik gezählt werden muss, weil er einst dem legendären Trio...

SIEGBURG. Mit Carl Palmer gastierte jetzt ein Musiker im Kubana Live-Club, der alleine schon deshalb zu den Giganten der Rockmusik gezählt werden muss, weil er einst dem legendären Trio „Emerson, Lake & Palmer“ (ELP) angehörte. Doch hat er sich in den 1970er Jahren den Ruhm nicht zuletzt durch seine Art erworben, mit dem Schlagzeug umzugehen. Und diese war bekanntlich derart einmalig, dass die Fachzeitschrift „Melody Maker“ im Jahr 1971 eben diesen Carl Frederick Kendall Palmer, so sein vollständiger Name, zum weltbesten Schlagzeuger kürte.

Die 180 Gäste im Kubana durften sich davon überzeugen, dass der Musiker (59) nichts von seiner Brillanz verloren hat. Im Gegenteil - der Vergleich mit dem guten Tropfen, der mit dem Alter immer besser wird, ist ohne Pathos angebracht. Zum einen ist da die technische Perfektion, die Fähigkeit, die zwei Basstrommeln und das restliche Schlagwerk selbstredend völlig unabhängig voneinander in einem Tempo und mit einer Kraft zu bearbeiten, die selbst dem Konzertbesucher den Atem raubt. Hinzu gesellt sich eine hohe Musikalität, die gewiss auf seine Zeit bei ELP fußt, die ja nicht nur richtungsweisend in ihren Arrangements war, sondern auch schier unerschöpfliche Klanglandschaften inszenierte.

Seinerzeit waren gewiss Keith Emerson und Greg Lake die inspirierenden Kräfte, Palmers Schlagzeug hatte, obwohl er damals schon durch sein facettenreiches Spiel begeisterte, gezwungener Maßen eine gewisse Nachrangigkeit. Heute steht Palmer im Mittelpunkt, was er im Kubana nicht nur damit demonstrierte, dass er seinen Arbeitsplatz gleich eines Königsthrons in der Mitte der Bühne platzierte und sich zudem buchstäblich ins rechte Licht rücken ließ. Drittens ist er wegen seines Alters quasi biologischer Primus inter Pares, der seinen beiden kongenialen Partnern freilich immer wieder Raum gab, ebenfalls ihr Spitzenkönnen zu präsentieren.

Etwa dem Gitarristen Paul Bielatowicz, dem zur Konzerthälfte für gute fünf Minuten die Bühne alleine gehörte und der einige Adaptionen von „Somewhere over the rainbow“ oder Rimski-Korsakows „Hummelflug“ zum Besten gab und dabei die Saiten in einer Schnelligkeit zupfte, die vielleicht einen Steve Vai hätte zweifeln lassen, ob er tatsächlich noch die schnellsten Finger auf dem Griffbrett hat. Zum Tempo gesellten sich beim Gitarristen die vielen Effekte, die seine Apparaturen hergaben und die er kompositorisch geschickt einzusetzen wusste. Ihm gegenüber stand mit Stuart Clayton ein Bassist, der sein Instrument ebenfalls eher zur klanglichen Ausgestaltung benutzte als sich nur darauf zu beschränken, ein sonores Fundament zu legen.

Und natürlich setzte auch Carl Palmer seine Trommel-Festung als Musikinstrument ein, einmal treibend, schmetternd und peitschend, dann aber zart und feinnervig. Wobei sich oft jazzige Elemente einschlichen, bei denen etwa ein flüsterndes Vibrieren des Snare-Drum-Fells zu einem farbenglühenden Vulkan anwuchs.

Es gab viel Bekanntes, doch nicht so, wie man es so im Ohr hat. Man musste schon genau hinhören, um etwa „Peter Gunn“ zu identifizieren. Bei den Musiken von ELP war das ein wenig anders. Wie das grandiose „Pictures at an exhibition“, das von den vielen Eingebungen der drei Protagonisten profitierte. Wobei eine Frage blieb: Wie machen die das bloß, dem Klangbild und Sound des Originals gerecht zu werden, ohne dass die unverzichtbare Orgel eines Keith Emerson auszumachen gewesen wäre.



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