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Fachklinik

Aggressiv und perspektivlos

Erstellt 12.03.10, 21:16h

Die Fachklinik an der Robert-Koch-Straße betreut im Jahr 450 junge Patienten. Wir haben aufgezeichnet, mit welchen Situationen und Symptomen die Ärzte konfrontiert sind.

Gewalt unter Jugendlichen
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Gewalt unter Jugendlichen. (Symbolbild: dpa)
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Gewalt unter Jugendlichen. (Symbolbild: dpa)
Köln - Samstag 11 Uhr: Eine 12-Jährige wird als Notfall eingeliefert. Sie lebt in einer Wohngruppe der Jugendhilfe, hat sich mit ihrem Bruder geprügelt und den Zehnjährigen gewürgt. Eine Betreuungsperson wurde mit Tritten und Schlägen ebenfalls verletzt.

21 Uhr: Ein besorgter Vater ruft wegen seiner Tochter an, die seit ihrer Rückkehr von einer Italienreise starke Stimmungsschwankungen aufweist. Die 15-Jährige trifft um 22 Uhr in der Klinik ein. Sie habe eine Leere im Kopf und eine Blockade, fühle sich komisch, erklärt sie. Die Eltern sind ratlos und überfordert.

Sonntag 11 Uhr: Telefonische Anfrage zu einer 12-Jährigen mit Verdacht auf Magersucht. Das Mädchen schwänzt die Schule, die Konflikte in der Familie nehmen zu.

20 Uhr: Anruf aus einer Wohngruppe für Jugendliche. Eine Betreuerin teilt mit, dass sich eine 16-Jährige Schnittverletzungen zugefügt hat.

Montag 19 Uhr: Eine 15-Jährige aus der Jugendstation ist weggelaufen. An die Polizei wird eine Vermisstenmeldung gegeben, der Vormund telefonisch informiert. Versuche, die Patientin mobil zu erreichen, scheitern.

19.10 Uhr: Eine wegen Ängsten und Depressionen aufgenommene 17-Jährige bricht nach einem Telefonat mit ihrer Mutter weinend zusammen. Sie ist verzweifelt, weil die Mutter keinen Kontakt mehr zu ihr wünscht. Einen Grund nennt die Mutter nicht.

19.30 Uhr: Eine neu aufgenommene 14-Jährige, die als selbstmordgefährdet gilt, will mit einem Dienstarzt über ihre Probleme reden. Sie berichtet von traumatischen Gewalt-Erlebnissen in der Vergangenheit.

21.50 Uhr: Eine 14-Jährige gibt im Gespräch mit dem Dienstarzt an, sie könne den schulischen Anforderungen nicht entsprechen, sehe keine Lebensperspektiven mehr und habe Angst vor der Entlassung in zwei Wochen.

1 Uhr: Die vermisste Patientin geht an ihr Handy, legt jedoch auf, als sie die Stimme der Stationsmitarbeiterin hört. Ihr Aufenthaltsort bleibt unklar.

2.10 Uhr: Die Bundespolizei Wuppertal ruft an. Sie hat die 15-Jährige unversehrt aufgegriffen.

2.50 Uhr: Die Patientin kommt in die Jugendschutzstelle Wuppertal.

Dienstag 8 Uhr: Eine 17-Jährige, die vor vier Tagen mit Selbstmordabsichten eingeliefert wurde, möchte entlassen werden. Sie sagt, sie wolle sich nicht mehr umbringen.

20 Uhr: Eine 14-Jährige wird als Notfall vorgestellt. Sie hat sich am Tag zuvor mit einem Messer die Innenseite des Oberarms massiv geritzt und sich damit selbst verletzt. Sie klagt über Belastungen in Schule und Familie, fühlt sich überfordert und nicht verstanden und hat im letzten halben Jahr bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich. Sie wird auf der geschützten Station untergebracht.

22 Uhr: Ein in der Klinik bekannter 16-Jähriger mit einer depressiven Störung droht, sich umzubringen. Der Mutter wird nahe gelegt, ihn vorzustellen.

22.30 Uhr: Eine am Morgen stationär aufgenommene 17-Jährige mit Magersucht ist weinend zusammengebrochen. Sie will nicht auf Station bleiben. Sie hat in sechs Monaten 30 Kilo verloren, ist auch körperlich gefährdet.

1 Uhr: Auf der Jugendstation können zwei Patientinnen wegen ihrer hohen Anspannung und ihrer Verzweiflung nicht schlafen. Sie berichten darüber, dass sie Selbstmordgedanken haben.

Mittwoch 23.30 bis 0.45 Uhr: Ein 13-Jähriger wird vorgestellt, der am frühen Abend in einer Wohngruppe nach einem Streit mit einem Mitbewohner sein Zimmer „verwüstet“ hat. Der Patient beruhigt sich und wird in die Wohngruppe entlassen.

Donnerstag 17 Uhr: Eine 15-Jährige mit schwerer Störung des Sozialverhaltens wird aufgenommen. Sie kommt über die Notaufnahme der Kinderklinik, nachdem sie am Tag zuvor eine unklare Anzahl von Tabletten geschluckt hat, weil sie sich umbringen wollte. Als der 15-Jährigen am späten Abend der Ausgang verwehrt wird, reagiert sie verbal aggressiv, fordert ihre Mutter auf, sie aus der Klinik zu nehmen. Sie beschimpft Mutter und Klinikpersonal und droht, die Mitarbeiter anzugreifen und Dinge zu zerstören. Nachdem die Mutter ihr intensiv zuredet, entschließt sich die Jugendliche, stationär zu bleiben.

20 Uhr: Eine 14-Jährige kommt gemeinsam mit ihrer Mutter in die Aufnahme. Die Mutter gibt an, die Tochter habe zunehmend Schwierigkeiten in der Schule, sie lüge, trinke auch Alkohol. Sie selber, so die Mutter, sei mit der Tochter überfordert, habe keinen Zugang mehr zu ihr.

22 Uhr: Ein Vater ist besorgt wegen seines Sohnes. Der 14-Jährige werde von der getrennt lebenden Mutter mit Krankheiten „verrückt gemacht“, die sie angeblich bei dem Sohn diagnostiziere. In der Familie gibt es ein Drogenproblem. Nun unterstelle sie dem Sohn, auch Drogen zu nehmen.

23 Uhr: Anruf aus der Uni-Kinderklinik. Ein 14-Jähriger mit Alkoholvergiftung - 1,2 Promille - habe Selbstmord-Absichten geäußert und soll vorgestellt werden.

Freitag 18.30 Uhr: Ein zehnjähriger Junge wird als Notfall vorgestellt. Er hat Depressionen. Seit Jahren ist eine Legasthenie bei ihm bekannt und es besteht der Verdacht von ADHS. Vor zwei Wochen wollte er sich erhängen, wurde von seiner Mutter gerade noch daran gehindert.

Samstag 11 Uhr: Eine der Klinik bekannte Drogenabhängige (16) wird von der Polizei angekündigt, nachdem sie durch aggressives Verhalten aufgefallen ist. (KE)



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