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Uniklinik

Hilferufe bis zum Selbstmordversuch

Von Eveline Kracht, 12.03.10, 21:26h

50 Kinder und Jugendliche stehen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik immer auf der Warteliste. Sie leiden zum Beispiel an Depressionen, Ängsten und Zwängen und brauchen eigentlich sofort Hilfe.

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50 Kinder und Jugendliche stehen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik immer auf der Warteliste. (Bild: Gauger)
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50 Kinder und Jugendliche stehen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik immer auf der Warteliste. (Bild: Gauger)
Köln - Doch ihre Aufnahme verzögert sich nicht selten um ein halbes Jahr. Denn: Jede Nacht kommen zwei bis vier Notfälle hinzu, die wegen akuter Krisen zum Teil stationär bleiben müssen. Heranwachsende etwa, die mit Selbstmord drohen oder die gewalttätig geworden sind. Erst kürzlich hatte Klinikdirektor Professor Dr. Gerd Lehmkuhl mit den anderen Fachkliniken im Kölner Raum Alarm geschlagen, weil die Versorgungskapazitäten nicht mehr reichen.

Die Zunahme an behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter habe vielfältige Ursachen, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater. Eine davon ist, dass Eltern „zunehmend unsicher“ in ihrer Erziehungskompetenz geworden sind, dem Nachwuchs häufig keine klaren Grenzen setzen, nicht ausreichend Halt, Orientierung und emotionale Nähe geben. Dies erschwere es den jungen Menschen, seelische Stärke und Widerstandskraft zu entwickeln.

Hinzu komme, so Lehmkuhl, dass der Alltag die Kinder und Jugendlichen durch die Anforderungen der Schule, durch Fernsehen, PC und moderne Kommunikationsmittel oft überfordere. Lehmkuhl: „Wir kennen Jugendliche, die sind immer online und haben das Handy am Bett. Nicht jeder ist diesem hektischen Leben gewachsen.“ Bei den jungen Menschen hätten sich die seelischen Auffälligkeiten durch unterschiedliche Belastungen in den letzten 20 Jahren deutlich verschärft. Der Klinikchef: „Sie reagieren aggressiver, emotional labiler, werden von massiven Ängsten und Depressionen gequält und denken in Krisen eher an Selbstmord.“ Enttäuschungen und Liebesverlust zum Beispiel würden im Vergleich zu früher schlechter weggesteckt und eher ausgelebt. Vorbilder im Fernsehen und Netz lockerten Hemmungen und schafften Modelle, „an denen man sich orientiert“. Auch Konfliktlösung durch Gewalt sei dadurch fast normal geworden.

Was ist zu tun? Noch mehr Bettenkapazitäten sind laut Lehmkuhl kein „Heilmittel“. Benötigt würden mehr niederschwellige, aufsuchende Hilfen, um die Eskalation psychischer Probleme und damit Klinikeinweisungen zu verhindern. Dieser Unterstützungsbedarf, etwa durch Teams aus Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeitern, sei vor allem in sozialen Brennpunkten wichtig. „Es geht darum, die Familien schon in Kitas, Schulen oder zu Hause zu beraten, sie mit ihren Schwierigkeiten da abzuholen, wo sie sind.“ Neben einem systematischen Ausbau der Prävention müssten ambulante Angebote und Klinik-Arbeit stärker ineinandergreifen. Lehmkuhl betont, dass gerade psychiatrische Erkrankungen für die Gesellschaft „sehr kostenintensiv“ seien. An der Vorbeugung zu sparen, sei widersinnig. „Es ist wichtig, die belasteten Familien zu erreichen, ,schwierige Kinder zu integrieren, statt sie abzuschieben.“



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