Von ANNA MARIA BEEKES, 13.03.10, 07:06h
REFRATH. Kurz nach sechs, der Himmel ist noch fast schwarz, doch mitten in Refrath herrscht schon emsige Betriebsamkeit. Die Paletten der Markthändler krachen beim Ausladen, Wagen werden aufgebaut, Markisen ausgefahren, Waren in den Auslagen verteilt. Mach voran, ruft eine Gemüsehändlerin ihrer Kollegin zu, die das Obst hübsch anrichtet. Die ersten Kunden warten schon.
Auch am Wagen des Geflügelhofs treffen Johannes Steffens und Monika Adams die letzten Vorbereitungen. Steffens schaut auf die Uhr: zwanzig nach sechs. Vor fast anderthalb Stunden hat bei ihm der Wecker geschrillt. Eier, Brot und Kartoffeln hat er schon am Vorabend in den Wagen geladen, in der Früh wird dann das Fleisch aus der Kühlung dazu gepackt. Seit August 2008 steht Steffens für den familieneigenen Betrieb auf den bergischen Wochenmärkten.
Wo bleibt denn unser Herr Sachse?, fragt Monika Adams. Der Stammkunde hat schon letzte Woche einen 10-Kilo-Sack Kartoffeln geordert. Ich weiß auch nicht, erwidert Johannes Steffens, normalerweise ist er doch schon vor uns da. Na, das ist ja auch nicht schwer, schallt es aus dem Wagen nebenan. Da steht Metzger Jörg Wedermann seit fünf Uhr und schneidet fleißig Fleisch in handliche Portionen. Team Steffens quittiert den Spott mit einem Lachen. Der verbale Schlagabtausch gehört auf dem Markt dazu, findet Monika Adams.
Viel Zeit für Späße haben die Händler allerdings nicht, die Kunden wollen bedient werden. 20 Braune und sechs Bunte, aber kein blaues, ordert eine junge Frau. Die bemalten Ostereier gehen gut drei Wochen vor dem Fest schon häufig über die Theke. Der Nächste bitte - vier große Kartons voller Eier sind gewünscht. Ich kauf euch ja gleich den ganzen Wagen leer, sagt der Kunde lachend. Prima, dann hab ich Feierabend, erwidert Steffens.
So weit ist es aber noch lange nicht - zumal nun ein sichtlich gut gelaunter älterer Herr um die Ecke biegt. Herr Sachse, wir haben Sie schon sehnlich erwartet, sagt Monika Adams. Ich hab mich da hinten verquatscht, gibt der 79-Jährige, schon gut bepackt mit Obst und Gemüse, fröhlich zu. Jeden Freitag um sechs, vor dem Frühstück, erledigt er seinen Einkauf auf dem Refrather Markt. Mit den bestellten Kartoffeln, dazu Eiern, Brot und eingelegtem Hähnchenbrustfilet, zieht er nach einem kurzen Plausch von dannen.
Halb acht: Johannes Steffens begibt sich auf eine Runde über den Markt: Die Kollegen in den umliegenden Wagen haben Eier und Waren aus dem Hofladen bestellt. Die Nachbarin drüben kriegt zehn weiße XL-Eier, eine andere leckere Kräuter, und auch Metzger Jörg Wegermann und seine Mitarbeiter gehen nicht leer aus: Sie kriegen Eier, dafür bekommt Steffens zum Frühstück etwas Wurst.
Der große Ansturm
kommt zur Mittagszeit
Die Runde zu den Kollegen muss schnell erledigt werden, denn der große Ansturm steht noch aus: Von halb zehn bis halb zwölf kommen Johannes Steffens und Monika Adams kaum zum Durchatmen, eine lange Schlange bildet sich vor dem Wagen des Geflügelhofs - die Wochenend-Einkäufer kommen. Eine Dame hat einen besonderen Wunsch: Ich liebe die Knickeier, die leicht angekitschten, sagt sie, damit mach ich Rührei oder nehm sie zum Backen.
Nach zwölf wird es langsam ruhiger, um zehn vor eins beginnen die Händler mit dem Einpacken. Johannes Steffens ist zufrieden: Fast ausverkauft. Die leeren Körbe und Paletten zurück in den Wagen, Tür zu - jetzt ist Feierabend. Friedhein Sachse hat sich um diese Zeit sein Frühstücksei längst schmecken lassen und sitzt beim Mittagessen - vielleicht gibt es ja Omelett.
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