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Wels-Hof

Zu Fuß auf dem Weg in alte Zeiten

Von Dörte Staudt, 15.03.10, 20:38h

Eine Wanderung zum uralten Wels-Hof in Hohn lohnt sich: Dort können die Teilnehmer beim Brotbacken zuschauen. Zur zünftigen Pause erzählt Bertram Wels kurzweilig und in rheinischem Idiom Anekdötchen und viel Historisches über seinen Hof.

Backen im Wels-Hof
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Roggenmehl und -schrot und ein paar Hand voll Weizenmehl hat Karl-Heinz Pütz für sein Holzofenbrot sorgfältig vorgeknetet. (Bild: Mischka)
Backen im Wels-Hof
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Roggenmehl und -schrot und ein paar Hand voll Weizenmehl hat Karl-Heinz Pütz für sein Holzofenbrot sorgfältig vorgeknetet. (Bild: Mischka)
EITORF - Nicht nur ein Weg führt von Eitorf-Merten auf den uralten Wels-Hof in Hohn. Brigitte Helfen, Stadtführerin aus Hennef, kennt sie alle. Je nach Witterung und Gruppe und nach dem Einstieg von Schloss Merten oder dem Bahnhof wandert sie über Höhenwege und Waldsteige zu diesem Gehöft, dessen Standort schon für das späte 17. Jahrhundert in einer Urkunde der Augustiner-Eremitinnen belegt ist.

Auf die Frühstückspause müssen die Wanderer nach ihrer ersten guten Stunde Aufstieg freilich noch warten. Denn erst einmal werden sie Zeuge sein, wie Bäcker Karl-Heinz Pütz seinen Brotteig nach alter Väter Sitte in den historischen Backes des Hofes schiebt. Stunden der Arbeit hat er schon hinter sich. Ebenso wie Bertram Wels, der den Backes in aller Herrgottsfrühe angestocht hat. Gute drei Stunden muss das Feuer im Steinofen lodernd brennen, damit die Hitze zum Brotbacken erreicht wird. „Noch bis in die 60er Jahre hinein haben wir hier abwechselnd mit einem Nachbarhof alle zwei Wochen gebacken“, erzählt Bertram Wels, dessen Ur-Ur-Großvater den Hof im Jahr 1870 gepachtet und später erworben hatte. Nach dem Schwarzbrot, das für volle 14 Tage reichen musste, schoben die Bauersfrauen süßen Hefeteig und Kuchen in den langsam auskühlenden Steinofen, mit der Restwärme dörrten sie im Herbst das Obst.

Erst vor kurzem hat das Ehepaar Wels den alten Backes wieder nutzbar gemacht, die abgesenkten Bodenplatten stabilisiert, einen Pfeiler eingesetzt. Gebrauchsspuren aus früherer Zeit sind dennoch gut zu sehen, auch die Rußschwärze auf der Lehmwand über dem ehemaligen „Schweine-Pott“ ist geblieben.

Karl-Heinz Pütz muss genauso gut vorplanen, den Ursauerteig sogar schon eine Woche vorher ansetzen, den Sauerteig für das Roggen-Mischbrot dann 15 Stunden vor dem Backen bereiten. Acht Kilo Roggenmehl, ein weiteres aus Schrot und ein wenig Weizenmehl hat er fest gerührt und zum klassischen Laib geformt.

Während Brigitte Helfen ihre Wandergruppe noch einmal über die Nutscheid führt, ihnen an gut gewählten Aussichtspunkten den weiten Blick bis in das Siebengebirge oder auf Stadt Blankenberg eröffnet, darf das Brot garen und den typischen, heute nur noch selten zu genießenden Duft verströmen. Zum Bauernfrühstück allerdings kredenzen Bertram und Ursula Wels etwas anderes. „Das Brot ist viel zu frisch und entfaltet erst nach einem, besser nach drei Tagen seinen besten Geschmack“, weiß Pütz und garantiert: „Das ist lange haltbar, weil der Sauerteig einen natürlichen Schimmelschutz bildet.“ Zur zünftigen Pause erzählt Bertram Wels kurzweilig und in rheinischem Idiom Anekdötchen und viel Historisches über seinen Hof. Etwa über die „Rote Sophie“, die Geliebte Ferdinand Lasalles, deren Ex-Gemahl Fürst Hatzfeld nach der Säkularisierung hier auch einmal Herr gewesen ist.

„Ich bin ohnehin sehr an der Region interessiert“, resümiert Test-Wanderer Uwe Schaefer-Voitz: „Das ist das Tüpfelchen auf dem i“.



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