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Sal. Oppenheim

Fast ein gewöhnliches Kreditinstitut

Von Hendrik Varnholt, 15.03.10, 22:02h

Die Unterschriften von Juristen haben am Montag den Kauf Sal. Oppenheims durch die Deutsche Bank besiegelt. Nach 221 Jahren endet damit die viel beschworene Unabhängigkeit des von Salomon Oppenheim junior gegründeten Instituts.

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Der Eingang zum Oppenheim-Bankhaus in Köln. (Bild: dpa)
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Der Eingang zum Oppenheim-Bankhaus in Köln. (Bild: dpa)
Nicht einmal die Worte, die das eigene Geschäft beschreiben, wollte Sal. Oppenheim mit einem gewöhnlichen Kreditinstitut gemein haben: Die Bank nannte sich Bankhaus. Ihre Banker wollten Privatbankiers heißen. Die Anwaltsunterschriften, mit denen die Oppenheim-Alteigner gestern die Herrschaft über ihr Unternehmen an die Deutsche Bank abgeben ließen, sind deshalb für die Finanzszene historisch und für viele Mitarbeiter dramatisch. Auch wenn die Oppenheim-Berater ihren vermögenden Kunden derzeit immer wieder Kontinuität versprechen, wird sich hinter den Bankmauern fast alles ändern: Die Führung, die Philosophie und die Finanzausstattung werden seit gestern in Frankfurt bestimmt.

Gleichwohl dürfte der Bruch mit den Gepflogenheiten auch in einem Umzug nach Köln zum Ausdruck kommen. Nicht mehr in Luxemburg, sondern wieder am Rhein werde die Deutsche-Bank-Tochter Oppenheim bald ihren Sitz haben, heißt es in Finanzkreisen. Im Jahr 2007 hatte Sal. Oppenheim die eigene Zentrale in den Zwergstaat verlegt, um nach eigener Darstellung leichter international operieren zu können. Eine Rolle könnte zudem das Ansinnen der Gesellschafter gespielt haben, Bankvermögen breiter zu streuen. Beide Gründe für den Unternehmenssitz in Luxemburg seien mit der Übernahme durch die Deutsche Bank weggefallen, sagen Insider nun.

Klar wird damit auch: Sal. Oppenheim wird sich künftig mit dem Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung, bescheiden. Risikoreiche Ausflüge wird die Bank auf Geheiß ihrer Mutter nicht nur geographisch, sondern auch inhaltlich unterlassen. Das trifft - wohl nicht allein, aber am augenfälligsten - die Geschäfte Oppenheims mit dem Troisdorfer Immobilien-Projektentwickler Josef Esch. Die Fonds, die die Privatbank gemeinsam mit Esch auflegte und in die sie auch selbst investierte, haben sich vom Aushängeschild längst zum Gegenteil entwickelt. Einst brachten sie Sal. Oppenheim hohe Gewinne ein, nun stehen sie in Teilen in schlechtem Ruf, in anderen Teilen in finanzieller Schieflage: Dass einer der Fonds die neuen Kölner Messehallen bauen durfte, nannte der Europäische Gerichtshof rechtswidrig. Etwa im Fall mehrerer Karstadt-Häuser mussten Zeichner der Fonds Berichten zufolge auf vereinbarte Mieten verzichten.

In Finanzkreisen ist deshalb seit Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen zwischen Oppenheim und der Deutschen Bank offenkundig, dass die Frankfurter ihrer neuen Tochter die Trennung von Esch auferlegen werden. Zum gestrigen Abschluss der Übernahme erklärte die Deutsche Bank, bei Sal. Oppenheim würden künftig „Risikopositionen nachhaltig abgebaut“. Branchenkreisen zufolge beinhaltet das langfristig den Verkauf der von Oppenheim selbst gehaltenen Anteile an den Esch-Fonds. Dass sich die Bank von dem ihr verbliebenen Fünf-Prozent-Anteil an der gemeinsam mit Esch gegründeten Holding trennen will, ist ohnehin bekannt. Betroffen von einem Verkauf der Fondsanteile würden vor allem Kölner Projekte sein. Wie die Rundschau berichtete, hält Sal. Oppenheim etwa an der Lanxess-Arena und ihrer Betreibergesellschaft Anteile.

Insgesamt wird bei Sal. Oppenheim die Sachlichkeit eines Weltkonzerns die Emotionalität einer Familienbank ablösen, wie es ein Insider formuliert. Als wesentlichen Schritt in die Richtung hat sich die Deutsche Bank praktisch vollständig von den Altgesellschaftern Oppenheims getrennt. Matthias Graf von Krockow ist seit gestern nicht mehr persönlich haftender Gesellschafter Sal. Oppenheims. Auch Christopher Freiherr von Oppenheim, der lange als Kandidat für den neuen Führungskreis gehandelt wurde, hat vorerst keine Aufgaben mehr bei der Bank. Dem Institut bleibe er aber „verbunden“, heißt es noch immer. Möglich scheint also, dass er noch einmal Berater oder sogar Angestellter der neuen Deutsche-Bank-Tochter wird.

Zumindest die übrigen Oppenheim-Altgesellschafter überlässt die Deutsche Bank finanziell offenbar weitgehend ihrem Schicksal. Die eine Milliarde Euro, die die Frankfurter für Oppenheim zahlen, ist einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge vollständig zum Ausgleich verschiedener Verpflichtungen verplant.

Geld in wesentlicher Höhe könnte an die Bankeigner demnach allenfalls fließen, wenn nach mehreren Jahren eine Art Besserungsschein ausgezahlt wird. Die Deutsche Bank behält also zunächst als Sicherheit für noch bei Oppenheim schlummernde Risiken Geld ein und zahlt nach einiger Zeit nur so viel an die Gesellschafter aus, wie nach Abzug unerwarteter Ausgaben übrig bleibt.

Aus Sal. Oppenheim wird so eine Bank, die mit ihren Konkurrenten mehr gemein hat als ihr bis vor kurzem recht war. Die Worte, die das eigene Geschäft beschreiben, hat Oppenheim denn auch schon überdacht. Innerhalb von Minuten nach der offiziellen Übernahme durch die Deutsche Bank änderten die Banker ihre Internetseite. Als „zu 100 Prozent im Privatbesitz und damit in strategischen Entscheidungen unabhängig“ bezeichnete sich Sal. Oppenheim bis gestern Mittag. Als „gute Basis für eine krisensichere Vermögensverwaltung“ beschreibt sich die Bank nun.



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