Von Werner Grosch, 16.03.10, 20:20h, aktualisiert 18.03.10, 12:14h
Auf der „MS Rheinenergie“ soll Rankin nun aus seinem neuen Roman „Ein reines Gewissen“ lesen. Das ist „ein Fall für Malcolm Fox“ (Manhattan, 512, S., 19,95 Euro), Rankins neuen Ermittler, und der tut nie, was Rebus dauernd tat: Rauchen, Trinken und sein zynisches Weltbild pflegen. Mit Fox, dem biederen Langweiler, schuf Rankin einen Typen, der sofort Sehnsucht nach Rebus auslöst. Vielleicht ist diese auf den ersten Blick gefährliche Volte in Wirklichkeit ein genialer Schachzug.
Jede Figur, die auch nur ein bisschen Rebus wäre, hätte sich mit dem Mann messen müssen, der für viele Fans realer ist als sein Schöpfer. So jedenfalls erlebt es Rankin selbst. Manchmal sei er von Leuten angesprochen worden, die sich ernsthaft Sorgen um Rebus Alkoholkonsum machten, aber nicht das geringste Interesse an seiner, Rankins schweren akuten Infektion zeigten. Rankin also spricht über Rebus, dann über Fox, natürlich in Abgrenzung zu Rebus, und noch ein wenig über Fox, weil der dem alten Rebus im Verlauf des Buches doch ein Stückchen ähnlicher wird. Ein bisschen Autorenlesung gibt es doch noch, in der der Schotte seinen speziellen Akzent hörbar zu dämpfen sucht, während Schauspieler Heikko Deutschmann mit teils unnatürlich angeschmirgelter Stimme Passagen auf Deutsch vorträgt.
Wird Malcom Fox also jemals den Status seines Vorgängers erreichen? Rankin ist sich nicht sicher. Das Spektrum möglicher Themen in der Inneren Abteilung der Polizei, für die Fox arbeitet, sei ja begrenzt. Noch ein, zwei Bücher seien wohl drin. Aber wer weiß: John Rebus sollte nach dem ersten Entwurf am Ende des ersten Romans sterben. Erst ab dem dritten Roman war die Figur so weit entwickelt, dass sie Suchtpotenzial für Krimifans entwickeln konnte. Vielleicht schafft auch Malcolm Fox das noch.
Bis dahin bleibt den Rebus-Fans die bittersüße Erinnerung an ihren verkrachten, beziehungsgestörten Säufer, dessen Herz für die Welt der Verbrecher eigentlich viel zu groß ist. Bei der Selbsttröstung helfen die Anekdoten, die Rankin während der Lesung erzählt. Wie die von der schottischen Abgeordneten, die beim Justizminister erreichen wollte, dass das Pensionsalter für Polizisten auf 65 raufgesetzt wird, damit Rebus weiter ermitteln kann. Womit sie übrigens keinen Erfolg hatte. Der Antrag brachte ihr ein knallhartes Nein des Ministers ein - und Rankin eine Flut von Hassbriefen, weil echte Beamte ihren wohl verdienten Ruhestand in Gefahr sahen.
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22. April 2012,
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