Schriftgröße

Rheinland-Pfalz

SEK-Mann von Hells Angel erschossen

Erstellt 17.03.10, 11:40h, aktualisiert 18.03.10, 13:29h

In Rheinland-Pfalz ist bei einem Einsatz ein Polizist getötet worden. Der 42-Jährige wollte mit weiteren Mitgliedern eines Spezialeinsatzkommandos eine Wohnung stürmen. Doch der Bewohner, ein Mitglied der Motorad-Gang "Hells Angels", erschoss den Beamten durch die Tür.

Hells Angels-Kutte
Bild vergrößern
Die sogenannte Kutte, eine Weste mit dem Vereinsemblem der Rockergruppe Hells Angels, hängt hinter der Tür eines Wohnhauses in Anhausen, vor dem ein SEK-Beamter erschossen wurde. (Bild: dpa)
Hells Angels-Kutte
Bild verkleinern
Die sogenannte Kutte, eine Weste mit dem Vereinsemblem der Rockergruppe Hells Angels, hängt hinter der Tür eines Wohnhauses in Anhausen, vor dem ein SEK-Beamter erschossen wurde. (Bild: dpa)
Tragisches Ende eines Einsatzes in Rheinland-Pfalz: Am Morgen ist ein 42-jähriger Polizist erschossen worden. Der Mann war Mitglied eines Spezialeinsatzkommandos (SEK). Die Elite-Truppe wollte eine Wohnung im Ort Anhausen (Kreis Neuwied) stürmen. Als die vermummten und mit Schutzwesten geschützten Beamten vor der Tür standen, wurden die Männer durch die Tür beschossen. Ein SEK-Mann wurde zunächst lebensgefährlich verletzt und verstarb wenig später. Der alarmierte Notarzt konnte dem Polizist nicht mehr helfen. „Der Mann verblutete“, hieß es aus Polizeikreisen. Der nicht vorbestrafte Täter und seine Lebensgefährtin wurden ohne Einsatz von Schusswaffen überwältigt und festgenommen. Er gehört zu der bekannten Rockergruppe "Hells Angels".

Das Amtsgericht Koblenz erließ gegen den Mann Haftbefehl wegen Mordes. Er soll die Tat aus Heimtücke und zur Verdeckung einer anderen Straftat begangen haben. Die Frau kam nach Angaben der Ermittler wieder auf freien Fuß. Der 43-Jährige habe der Polizei die Schussabgabe mit einer großkalibrigen Sportwaffe bestätigt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Hund. Vor dem Haftrichter habe er aber von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Der Rocker kam wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Die Wohnung des "Hells Angels"-Mitglieds hatte durchsucht werden sollen, weil gegen den 43-Jährigen der Verdacht der räuberischen Erpressung im Rotlichtmilieu besteht. Nach Hinweisen der Polizei darauf, dass der Rocker im Besitz einer Schusswaffe ist, hatte das SEK die Wohnungstür des Mannes "öffnen" sollen. Der 42-jährige Beamte trug dabei zwar eine Schutzweste, doch die Kugel traf ihn von der Seite. Sie durchschlug seinen Arm und drang in den Oberkörper ein. Auch ein Notarzt konnte den Tod des Mannes nicht verhindern.

Einige Fragen blieben am Mittwoch zunächst offen, im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen hielt sich die Staatsanwaltschaft noch bedeckt. Zeitgleich hatte es nämlich am Morgen an sieben Orten im Westerwald und der näheren Umgebung Durchsuchungen gegeben. 

Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt fünf Tatverdächtige, die Prostituierte von einem lukrativen Platz im "vorderen Westerwald" vertrieben haben sollen. Sie sollen den Frauen "Repressalien" angedroht haben, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Nur ein weiterer Beschuldigter gehöre zu den "Hells Angels", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hund. Außer dem 43-Jährigen seien keine Verdächtigen festgenommen worden.

"Örtliche Konkurrenz, aber keine Rocker", sagte Hund im Hinblick auf die Gegner dieser Männer im Westerwälder Rotlichtmilieu. Er betonte, dass die Ermittlungen in keinem Zusammenhang zu Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Rocker-Clubs stünden. In Kaiserslautern findet seit Wochen ein Prozess wegen Mordes an einem Rocker unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte indes härtere Strafen für kriminelle Rocker. "Diese hinterhältige Tat zeigt eine neue Eskalationsstufe der Gewalt in der Rocker-Szene", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt laut einer Mitteilung. Der mutmaßliche Täter habe ohne Vorwarnung geschossen und damit den Tod des Beamten "ganz bewusst in Kauf genommen". Die Justiz dürfe nun keine Nachsicht mehr zeigen, mahnte die Gewerkschaft.

Das Innenministerium von Rheinland-Pfalz hat bis zur Beisetzung des Getöteten für alle Streifenwagen Trauerbeflaggung angeordnet. (ta/dpa)



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


RHEINLAND WETTER


Anzeige


Bildergalerien


Videonews Welt


Rundschau-Forum


Rundschau-Service


Ihre Top-Artikel



SERVICE



Extra


Dienste