Von Lars Strombach, 17.03.10, 18:32h, aktualisiert 18.03.10, 11:23h
40 Cent pro Liter sind das Ziel
„Die Stimmung der Milchbauern ist immer noch sehr gedrückt wegen der nach wie vor zu niedrigen Preise, die die Bauern für ihre Milch bekommen“, erklärte Michael Braun, BDM-Teamleiter aus Reichshof. „Wir wollen unseren Bauern Wege aufzeigen, wie wir für uns einen fairen Milchpreis erreichen können.“ Als fairen Milchpreis nennt der BDM 40 Cent pro Liter, den der Landwirt als absolutes Minimum bekommen müsse. „Unser Weg dazu ist die faire Milch, das Credo lautet: Fair zum Verbraucher, fair zu den Bauern und fair zur Umwelt“, erläuterte Michael Braun. Dabei konnten die BDM-Funktionäre schon greifbare Beispiele vorzeigen: Schwarz-rot-golden bedruckte Tetrapaks, gefüllt mit der fairen Milch, so wie sie seit dem 20. Januar in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen verkauft wird. 120 Landwirte nahmen Anfang 2010 an dem Projekt teil. In den nächsten Wochen stehe die Einführung der fairen Milch in NRW an, bis Ende des Jahres soll es sie in ganz Deutschland geben, so Michael Braun. „Ein Liter frischer Vollmilch der fairen Milch kostet den Verbraucher im Supermarkt derzeit 89 Cent“, informierte ein BDM-Mitstreiter. Zum Ausgleich für den etwas höheren Preis sollen dem Käufer einige Garantien geboten. So soll die faire Milch hundertprozentig gentechnikfrei sein. Außerdem soll sie aus der jeweiligen Region kommen. Die Kühe, die die faire Milch liefern, sollen mit Futter von hofnahen Wiesen ernährt werden. Auf Futtermittel aus Übersee wird verzichtet, der Kraftfutteranteil niedrig gehalten. Die Verbraucher könnten erwarten, so Braun, dass die Produzenten der fairen Milch nachhaltig wirtschaften und auf ihren Hofflächen bestimmte Umweltprojekte umsetzen. „Sie legen beispielsweise eine Streuobstwiese an, engagieren sich im Gewässerschutz oder betreuen Umweltschutzprojekte.“
Nach einer kurzen Einführung zur Agrar- und Europapolitik durch Michael Alterauge aus Drolshagen, kam Romuald Schaber, der Vorsitzende und 1998 der Mitbegründer des BDM, zu Wort. Der 53-Jährige kam aus Petersthal im Allgäu nach Linde und sprach vor vor allem über die Milchpreisentwicklungen 2009 in Europa und die faire Milch. Bei der Diskussion, die von Heinrich Trimborn, BDM-Teamleiter des Rhein-Sieg-Kreises, geleitet wurde, äußerten einige Teilnehmer auch Bedenken. Manche Bauern, die ihre Betriebe bislang kompromisslos auf Höchstleistungen getrimmt haben, hätten Probleme mit der Umsetzung des Konzeptes, etwa bei der Fütterung.
Auch mehrere Politiker waren nach Linde gekommen, so Michaela Engelmeier-Heite und der Gummersbacher Landtagskandidat Thorsten Konzelmann (beide SPD), außerdem Thomas Willmer von der Lindlarer CDU.
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