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Klares Plädoyer für „Initiative von unten“

Von KATHRIN HÖHNE, 17.03.10, 18:47h

Der drahtige Mann mit dem markanten weiß-grauen Bart war leicht zu erkennen, als er gemeinsam mit seiner Frau die Buchhandlung von Karola Brockmann betrat. Gespannt wartete...

BRÜHL. Der drahtige Mann mit dem markanten weiß-grauen Bart war leicht zu erkennen, als er gemeinsam mit seiner Frau die Buchhandlung von Karola Brockmann betrat. Gespannt wartete bereits eine große Schar von Zuhörern darauf, was die beiden Leitfiguren der humanitären Hilfe, Christel und Rupert Neudeck, aus ihren neuen Buch „Zwei Leben für die Menschlichkeit“ lesen und aus ihrem Leben berichten werden. Zu sagen gab es viel, und in lebendiger Atmosphäre waren knapp zwei Stunden schnell vorbei.

Eins wurde gleich am Anfang bestätigt: Er ist der Satellit, der helfend um die Welt kreist, und bei ihr laufen alle Fäden im Wohnzimmer in Troisdorf bei Bonn zusammen. „Unsere Erfolge, die gesammelten Spenden und die geretteten Menschen geben uns immer wieder die Kraft, einfach weiterzumachen“, sagte Christina Neudeck.

Als 1979 die Bilder von den vietnamesischen „Boat People“ im Fernsehen übertragen wurden, „wollten wir etwas ändern“.

11 300 Vietnamesen

das Leben gerettet

Sie gründeten das Komitee „Cap Anamur / Deutsche Notärzte“, mieteten ein Schiff und retteten 11 300 Vietnamesen aus dem südchinesischen Meer. Es folgten Hilfseinsätze im Kosovo, in Uganda, Ruanda, im Tschad und weiteren Ländern. Bis heute bauen Notärzte dort Kliniken und versorgen Bedürftige.

Mit seiner 2003 gegründeten Organisation „Grünhelme e.V.“ hilft das Ehepaar in Indonesien, Afghanistan, Mauretanien, Kongo und Palästina. „Diese Gründung war auch eine Reaktion auf den 11. September 2001“, erklärten sie weiter. Gemeinsam errichten deutsche Christen und Muslime Schulen - auch in muslimischen Ländern wie Afghanistan.

Das Wohnzimmer der Neudecks ist die zentrale Schaltstelle der Grünhelme: „Wir wollen keine Gelder für Verwaltung ausgeben, deshalb machen wir alles zu Hause, von der Spendenbetreuung bis zur Auswahl der Kandidaten“, ergänzte Christel Neudeck. Bevor Helfer in Krisengebiete geschickt werden, testest Rupert Neudeck meistens selbst die Lage vor Ort.

„Wir wollen eine Eigeninitiative von unten und nicht eine verordnete Entwicklung von oben“, äußerte der inzwischen 70-Jährige. Mit Sorge beobachte er, dass die westliche Welt in Afghanistan mehr auf militärische Präsenz setzt. „Die Hilfe geht nur mit der Einbeziehung der Menschen vor Ort und mit dem Respekt vor ihrer Kultur. So haben wir es geschafft, im Westen Afghanistans in 31 Dörfern Schulen zu bauen.“

An einer entstehe derzeit sogar eine Skateranlage für junge Leute. All das sei aber nur mit Absprache den Dorfältesten möglich gewesen. Von vornherein sei dann geregelt, dass die Schule für alle Mädchen und Jungen offen ist, die Dorfbewohner mitbauen und die Lehrer von der Gemeinde bezahlt werden. „So empfinden die Menschen diese Bildungseinrichtung als ihre Schule“, so Neudeck.



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