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Senta Berger und Jürgen Tarrach

Immer wieder geht die Sonne auf

Von Barbro Schuchardt, 18.03.10, 12:12h, aktualisiert 18.03.10, 12:12h

Zuckersüß: Senta Berger und Jürgen Tarrach huldigten dem Kitsch. Im ausverkauften Schauspielhaus präsentierten die beiden Schauspieler einen bunten Stilblüten-Strauß. Sie zeigten: Der Kitsch verbirgt sich auch an unvermuteten Orten.

Berger, Tarrach, lit.Cologne
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Vom Kitsch geheilt entließen sie ihr Publikum: Senta Berger und Jürgen Tarrach. (Bild: Sevenich)
Berger, Tarrach, lit.Cologne
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Vom Kitsch geheilt entließen sie ihr Publikum: Senta Berger und Jürgen Tarrach. (Bild: Sevenich)
Uneheliche Grafentöchterlein, mutige Mittelalter-Kämpferinnen, geschwängerte Dienstmädchen, Dramen auf englischen Landsitzen und schwülstige Erotik - Kitsch as Kitsch can.

Dass er literarisch nicht nur in Heftchenromanen und bei Hedwig Courths-Mahler blüht, sondern mitunter auch bei gefeierten Romanciers wie Ingo Schulze und Uwe Tellkamp, bewiesen die gut aufgelegten Schauspieler Senta Berger und Jürgen Tarrach mit zahlreichen Textbeispielen im ausverkauften Schauspielhaus.

Schön, dass die großartige lit.Cologne bei allem Anspruch auch solche Inseln der Entspannung offeriert! Eine „lehrreiche Veranstaltung“ zur Geschmacksverfeinerung sollte der bunte Stilblüten-Strauß werden, schmunzelte der sachkundige Moderator Dieter Moor, der sich auf Milan Kunderas Ausspruch „Kitsch ist die Leugnung der Exkremente“ berief.

Menschliche Naturereignisse dürfen eben im gedruckten Kitsch nur in Form von Tränen oder - huch - im Austausch von Körperflüssigkeiten vorkommen. Wovon Jürgen Tarrach, der sich vor Lachen kaum halten konnte, mit einem Zitat aus Nora Roberts' Softporno „Dunkle Rosen“ („dann peitschte sie ihn lustvoll zum Finale“) überaus komisch Zeugnis ablegte. Natürlich wäre es allzu wohlfeil gewesen, nur Werke wie Charlotte Links Religionskriegs-Schmonzette „Die Sterne von Marmalon“ oder die Jubiläumsausgabe der „Fürstenroman“-Heftchen an den Pranger zu stellen. Denn manchmal verbirgt sich der Kitsch (meist kenntlich an der Überfrachtung mit Adjektiven) auch in geklöppelter Spitzweg-Lyrik des 19. Jahrhunderts oder in einem Buch wie Uwe Tellkamps Roman-Erstling „Der Hecht, die Träume und das portugiesische Café“ (2000), den der FAZ-Literaturkritiker Volker Weidemann („kunsthandwerkliche Drechselei“) genüsslich exekutierte, wie Tarrach belegte. Der Autor widersetzte sich letztes Jahr ebenso energisch wie vergeblich der Neuauflage...

Max Frisch im Kitschverdacht

Dass es gar nicht so einfach ist, Kitsch und Kunst auseinander zu halten, demonstrierte Dieter Moor mit einem launigen Test: Die amüsierten Zuhörer durften mit einem Summton darüber abstimmen, welcher Kategorie die (anonym gelesenen) Zitate zuzuordnen waren. Und siehe da: Martin Mosebach und Max Frisch landeten in der Grabbelkiste, während Rosamunde Pilcher geadelt wurde.

Nach 90 Minuten könne man das Publikum „als geheilt entlassen“, meinte Moor, als Senta Berger und Jürgen Tarrach noch den gefühlsberauschten Romeo-und-Julia-Dialog zum Besten gegeben hatten. Und alle Protagonisten zu Akkordeonbegleitung und Konfetti-Regen Udo Jürgens „Und immer, immer wieder geht die Sonne auf“ geschmettert hatten - Balsam für die ironisch bloßgelegten Geschmacksnerven.



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