Von Eveline Kracht, 17.03.10, 20:52h
Der gestörte Schlaf bei Kindern sei nicht allein ein medizinisches Problem, weil auch der schulische Erfolg, der berufliche Werdegang, das Sozialverhalten und die emotionale Entwicklung darunter litten. Tagsüber seien die Kinder entweder todmüde und konzentrationsschwach oder genau das Gegenteil - hyperaktiv. Außerdem entwickelten sie ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen wie Ängste und Depressionen.
Die Nachfrage nach Beratung, Diagnostik und Therapie werde immer größer, so Wiater. Junge Familien müssten nicht nur über Erziehungsfragen, sondern verstärkt auch über die Bedeutung von gutem, ausreichendem Schlaf aufgeklärt werden. Wenn eine bessere Begleitung der Familien und die Sensibilisierung der Erzieher nicht gelinge, werde das Problem „in zehn Jahren doppelt so groß“ sein.
Zur Behandlung der schlafgestörten Kinder fehle es außerdem an schlafmedizinischen Ambulanzen. „Die gibt unser Gesundheitswesen nicht her“, so der Porzer Experte. Den Politikern seien die volkswirtschaftlichen Konsequenzen offenbar noch zu wenig bewusst, wenn fast 50 Prozent der Schüler einer Klasse dem Unterricht nicht folgen könnten, weil sie zu müde oder überdreht seien.
Die Besorgnis erregende Entwicklung führt Wiater vor allem auf das „enorm veränderte Freizeitverhalten“ zurück. TV- und Internetkonsum mit entsprechender Anspannung und Aufregung hätten zugenommen, sportliche Betätigung, die einen gesunden, tiefen Schlaf fördere, sei dafür in den Hintergrund getreten.
Einer Studie zufolge könnten schon 90 Minuten Fernsehen oder 60 Minuten Computerspiel am Tag Schlafverhalten und Lernvermögen beeinträchtigen, berichtete Schlafforscher Dr. Markus Dworak. Die Kinder hätten sich Texte und Vokabeln schlechter merken können und nicht so leicht in den Schlaf gefunden.
Eltern riet Wiater dazu, Fernseher aus dem Kinderzimmer zu verbannen, für regelmäßige körperliche Bewegung zu sorgen, TV- und Computerkonsum auf weniger als zwei Stunden am Tag zu begrenzen und schon im Babyalter auf einen konstanten Schlafrhythmus zu achten. Im Durchschnitt brauchten Einjährige 14 Stunden Schlaf, Vierjährige 12 Stunden, Zehnjährige zehn Stunden und 15-Jährige acht Stunden, wobei zu berücksichtigen sei, ob die Kinder von ihrem Biorhythmus her eher Kurz- oder Langschläfer seien. Auch bei den Medieninhalten gelte es zu differenzieren: Wenn der Computer zum Lernen diene, sei dies anders zu bewerten als die Beschäftigung mit Killerspielen.
Die Experten wiesen darauf hin, dass Gedächtnisbildung und wichtige kindliche Entwicklungsprozesse im Schlaf stattfinden. Wiater: „Was hier falsch läuft, wird uns unser ganzes Leben begleiten.“
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