Von Julian Stech, 17.03.10, 21:47h, aktualisiert 17.03.10, 21:48h
Neben dem bereits verabschiedeten Sparprogramm will Obermann das Ziel vor allem mit dem Ausbau von Geschäften rund ums Internet und mobile Dienste erreichen. Deren Umsatz soll sich in den kommenden fünf Jahren auf knapp 30 Milliarden Euro ungefähr verdoppeln. „Mit ihnen wollen wir den Umsatz im Kerngeschäft, der in den nächsten Jahren noch stärker unter Druck geraten wird, wettmachen beziehungsweise überkompensieren“, sagte Obermann. Langfristig könnten neue Dienste rund die Hälfte zum Konzernumsatz beitragen.
Weil für die neuen Dienste Netzkapazitäten benötigt werden, will die Telekom jetzt ihr Glasfasernetz in deutschen Großstädten ausbauen. In den kommenden zwei Jahren sollen bis zu zehn Prozent aller deutschen Haushalte an das superschnelle Netz mit Übertragungsraten von rund einem Gigabit angeschlossen werden. Innovative Mobilfunktechnik soll zudem helfen, „weiße Flecken“ auf dem Land zu beseitigen. Bisher hatte die Telekom den Netzausbau teilweise von der Regulierungspolitik abhängig gemacht. „Wir bauen dort aus, wo es für uns wirtschaftlich ist“, sagte der Telekom-Chef. Der Startschuss für die Glasfaser soll noch dieses Jahr in Dresden fallen; weitere Städte wollte Obermann jedoch nicht nennen.
Keine Details gab Obermann auch zu möglichen Auswirkungen der Initiative auf die Beschäftigung. Er betonte erneut, dass der Umbau weitergehe. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass durch die Umrüstung der Telekom-Netze auf Internet-Technik ab 2012 tausende Arbeitsplätze bedroht sein könnten.
Weil die Telekom in ihrem angestammten Geschäft mit Telefonanschlüssen nach wie vor Umsatz verliert, erwartet Obermann selbst bei einem Ausbau der neuen Geschäftsfelder keinen deutlichen Umsatzanstieg. Erst ab 2012 werde es Zuwächse in Deutschland geben, bis dahin stagniere das Geschäft.
Für den Konzern gab der Telekom-Chef einen verhaltenen Ausblick. Ab 2015 werde der Umsatz etwa so stark wachsen wie das Bruttoinlandsprodukt. Die Probleme im US-Mobilfunkgeschäft, wo die Telekom nur Nummer vier ist und die Kundenzahlen stagnieren, seien noch nicht gelöst. Offenbar auch durch die schlechten Erfahrungen in Großbritannien will die Telekom keine milliardenschweren Zukäufe auf ausländischen Mobilfunkmärkten mehr unternehmen. Ziel sei es vielmehr, in den Ländern, wo die Telekom bereits vertreten sei, in eine führende Position zu gelangen. „Starke nationale Präsenz ist wichtiger geworden als internationale Stärke“, sagte Obermann.
Auf einem Investorentag informierten Obermann und Finanzvorstand Timotheus Höttges gestern auch Anleger über die neue Strategie. Die Reaktion an der Börse blieb allerdings verhalten. Der Kurs der T-Aktie veränderte sich kaum.
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