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Metro-Kaufhäuser

Längst nicht abgeschrieben

Von Hendrik Varnholt, 17.03.10, 21:28h

Metro-Chef Cordes spricht wieder von einem Kaufhof-Verkauf. Dahinter darf aber mindestens so viel Kalkül wie ernste Absicht vermutet werden. Ein Zusammenschluss der deutschen Warenhausketten unter dem Metro-Dach scheint noch immer möglich.

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Ein Zusammenschluss der deutschen Warenhausketten unter dem Metro-Dach scheint noch immer möglich. (Bild: dpa)
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Ein Zusammenschluss der deutschen Warenhausketten unter dem Metro-Dach scheint noch immer möglich. (Bild: dpa)
Nicht zum Kerngeschäft der Unternehmensmutter zu gehören, das hatte sich für Kaufhof zuletzt gar nicht schlecht angefühlt. Es war still geworden um die Pläne von Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes, der Mitte 2008 ebenjenes Kerngeschäft neu formuliert und dabei Kaufhof ausdrücklich außen vor gelassen hatte. Mehr noch: Auf einmal war von Zukauf statt Verkauf die Rede. Cordes fabulierte über die Integration von bis zu 60 Karstadt-Filialen, über eine Deutsche Warenhaus AG. Aus der Not, in der Krise keinen angemessen Preis für Kaufhof erzielen zu können, machte Metro eine Tugend, wie es schien. Journalisten führte der Konzern durch frisch renovierte Filialen und pries die Warenhäuser als zukunftsfähig wie nie. Die Nachricht von gestern muss die Mitarbeiter hinter den Kassentresen und Büroschreibtischen deshalb aufschrecken: Metro treibe die Trennung von Kaufhof voran und sei an Karstadt kaum noch interessiert, heißt es nun wieder. Hinter den Worten aus Unternehmenskreisen aber darf mindestens so viel Kalkül wie ernste Absicht vermutet werden.

Finanzinvestoren blicken in Karstadt-Bücher

Die Manager in der Düsseldorfer Metro-Zentrale sind verbittert. Dass der Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg unbeirrt auf den Verkauf von Karstadt als Ganzes besteht, deshalb offenbar ein halbes Dutzend Finanzinvestoren in die Bücher von Karstadt blicken lässt, Deutschlands größten Handelskonzern aber kühl abweist, mögen viele bei Metro nicht verstehen. Der Konzern beharrt auf seiner Bedingung, bei einer Integration von Karstadt auf Filialen in ungünstigen Lagen verzichten zu dürfen. Gleichwohl will er Retter sein - und ist bislang Zuschauer. Ebendeshalb könnte Metros vorgebliches Desinteresse an den eigenen Warenhäusern - und die Äußerung, einer Übernahme von Karstadt-Filialen kaum noch Chancen einzuräumen - schlicht Strategie sein.

Noch nämlich ist die Schlacht um die Zukunft der deutschen Warenhäuser nicht geschlagen. Über die Ernsthaftigkeit der sechs verbliebenen Karstadt-Bieter wird längst spekuliert. Mancher der Finanzinvestoren könnte eher an den unternehmensinternen Zahlen, die ihnen nun für die eigene Prüfung elektronisch zur Verfügung stehen, als an einer Rettung von Kaufhäusern und Arbeitsplätzen interessiert sein, heißt es. Sollten deshalb bei Ablauf der von Görg offenbar auch den Gläubigern zugesicherten Frist für einen Karstadt-Verkauf alle Interessenten abgesprungen sein, bliebe praktisch nur eine Lösung: die Zerschlagung. Metro erhielte damit wieder Zugriff auf den Konkurrenten Karstadt. Gut möglich sei, dass sich die Düsseldorfer dann wieder öffentlich für das Konzept Warenhaus interessierten, heißt es in Branchenkreisen. Die Kaufhof-Zahlen immerhin sprechen für die Gemischtwaren-Sparte: Vor Steuern und Zinsen sowie ohne Aufwendungen für die Restrukturierung steigerten die Metro-Kaufhäuser ihren Gewinn selbst im Wirtschaftskrisenjahr 2009 um 3,4 Prozent auf rund 119 Millionen Euro.

Analysten stufen Metro-Zahlen als gut ein

Und auch die Konzernbilanz für das Jahr 2009 gibt Metro kaum einen Grund, sich nun mit Eile von den Warenhäusern loszusagen. Bereinigt um Aufwendungen für den Unternehmensumbau steigerte der Metro-Konzern, zu dem etwa auch Media Markt und Saturn gehören, den Gewinn um rund 14 Prozent auf 824 Millionen Euro. Der weltweite Umsatz sank unter dem Strich zwar um 3,6 Prozent auf 65,5 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür sind nach Konzernangaben aber vor allem Veränderungen bei den Wechselkursen. Auch Analysten stufen das Ergebnis als gut ein. Einzelhandelsexperte Jürgen Elfers von der Commerzbank etwa sieht seine Erwartungen übertroffen.

An Cordes langfristigen Plänen muss das freilich nichts ändern: Dass Metro - jedenfalls, sofern der Vorstandschef im Amt bleibt - seine Warenhäuser einmal zum Verkauf stellt, gilt in der Branche als wahrscheinlich. Bis dahin aber dürfte Zeit vergehen - mindestens so viel Zeit, dass für die Sparte wieder ein angemessener Preis zu erzielen ist. Erhöhen ließe der sich durch ein Geschäft, das aller Worte zum Trotz noch immer möglich ist: die Integration Karstadts.



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