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Bande scheint zerschlagen

Von DIETMAR FRATZ, 19.03.10, 07:03h

Für einige Unruhe hat eine Jugendbande gesorgt, die von November an die Straßen Quadrath-Ichendorfs unsicher gemacht hat. Gewalttätige Übergriffe und erhebliche Körperverletzung...

BERGHEIM-QUADRATH-ICHENDORF. Für einige Unruhe hat eine Jugendbande gesorgt, die von November an die Straßen Quadrath-Ichendorfs unsicher gemacht hat. Gewalttätige Übergriffe und erhebliche Körperverletzung hielten die Bevölkerung in Atem. Furcht und die Reaktionen darauf beherrschten den Alltag. „Es wurde jede Woche eine andere Sau durchs Dorf getrieben“, sagte FDP-Fraktionschef Alfred Friedrich.

Viele Vorschläge habe er aus allen politischen Ecken gehört, die dann auch in Anträgen an den Stadtrat mündeten. Bis hin zur Aufstellung einer Bürgerwehr gingen die Wünsche.

Um Sachlichkeit in die Debatte zurückzuholen, setzte sich der Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema auseinander. Besucher wurden aufgefordert, im Ausschuss mitzudiskutieren, was freilich nicht auf allzu große Resonanz stieß: Ein gutes Dutzend Interessierter verlor sich auf der Zuschauertribüne des Ratssaales.

Zur Klärung der Lage waren Heinrich Löhrer, Leiter der Bergheimer Polizeiwache Nord, Herbert Richard, der in Bergheim das Regionalkommissariat und damit die Ermittlungen im vorliegenden Fall leitet, und Michael Endler, Leiter der Gefahrenabwehr bei der Kreispolizei, erschienen.

Sie konnten zunächst vermelden, dass drei sogenannte Alpha-Tiere aus der Gruppe im Januar verhaftet werden konnten. Seitdem sei es in Quadrath-Ichendorf zu keinen nennenswerten Auffälligkeiten mehr gekommen.

„In Quadrath-Ichendorf gibt es wie überall ein Grundrauschen“, aus dem hin und wieder ein „peak“ (Spitzenwert) heraussteche. Das sei schon vor der allgemeinen Unruhe bekannt und die Ermittlungen eingeleitet gewesen, erläuterte Richard.

Die gute Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwalt vor Ort und Verwaltung habe sich in diesen Wochen bezahlt gemacht, lobte Beigeordneter Peter Ludes.

Die zahlreichen Vorschläge stellte das Polizei-Trio dagegen als wenig hilfreich bis verwerflich ins Abseits. „Eine Bürgerwehr erinnert an einen totalitären Polizeistaat, den will ich nicht, den will hoffentlich keiner“, sagte Endler. Aber auch den von den Linken geforderten Jugendstraßenpolizisten nach Dürener Vorbild erteilte er eine Absage. „Unsere Leute sind alle ausgebildet auch für den Umgang mit Jugendlichen.“ Auch an der „mobilen Wache“ fand Endler kein Gefallen. Die „Dorfsheriffs“, in Quadrath-Ichendorf drei Polizisten, seien schließlich vor Ort. Die Beweglichkeit der polizeilichen Kräfte sei besonders gefordert. So würden die Einsatzkräfte und zur Not auch die Hundestaffel an den Brennpunkten zusammengezogen. Die Kritik, an brenzligen Stellen oft nächtelang keinen Polizisten anzutreffen, wertete Endler als Kompliment: „Wenn sie nicht auffallen, haben die verdeckten Zivilstreifen ihre Arbeit gut gemacht.“

Bürger trauen

sich nachts

nicht mehr raus

Die dünne Personaldecke kritisierte abermals SPD-Chef Kai Faßbender. Und obwohl die Polizisten da nicht widersprechen mochten, setzten sie dem Einwand eine Abnahme von 500 Delikten im Rhein-Erft-Kreis im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr entgegen, 27 Prozent weniger Raub und eine Aufklärungsquote, die um 2,6 auf 49,4 Prozent gestiegen ist. „Das ist nicht gut, aber wir werden immer besser“, folgerte Endler.

Der Quadrather-Ichendorfer Ortsbürgermeister Edwin Schlachter forderte, es müsse mehr getan werden. „Die Bürger trauen sich nachts kaum auf die Straße“. Im Moment sei es jedoch ruhiger, höre er aus dem Ortsleben.

Die Bergheimer Stadtverwaltung wurde in einem Antrag von CDU, SPD, Grünen, FDP und bma beauftragt, den Ausbau bestehender Präventionsmaßnahmen zu prüfen und die Polizei um eine Beibehaltung der erhöhten Präsenz zu bitten.



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