Von Hendrik Varnholt, 18.03.10, 20:47h
Ausgerechnet im Land der Harmonie, des Ying und Yang, möchte Peter Redlin mit Gegenpolen für Deutschland begeistern. Die von seinem Kreativbüro Milla und Partner entworfene Ausstellung im deutschen Pavillon lässt die Expo-Gäste über eine Wiese und durch eine Fabrik, am Bild von Schloss Neuschwanstein vorbei und über einen futuristischen Platz laufen. Sie soll eine Stadt der Unterschiede zeigen: die „Balancity“, in der Historisches neben Modernem, Urbanes neben Natürlichem existiert. Am Ausgang des deutschen Pavillons sollen die Besucher ahnen: Vielseitigkeit ist das Erfolgsrezept.
Viele Chinesen könnte das alles durchaus provozieren. Denn die deutsche Interpretation des Expo-Themas „Bessere Stadt, besseres Leben“ ist auch eine Kritik an der Städteplanung in Fernost. Alte Viertel müssen etwa in Peking und Schanghai immer wieder Zukunftsprojekten weichen, wie Redlin berichtet. Besonders unübersehbar sei das während der Olympischen Spiele gewesen - und genau zur Zeit der Sportwettkämpfe in Peking hätten die Ausstellungsmacher die ersten Ideen für den deutschen Pavillon entwickelt. Dennoch rechnen die Deutschen mit Begeisterung für ihren Bau. Acht Millionen Besucher - vor allem Chinesen eben - würden im mit 3600 Quadratmetern Ausstellungsfläche größten deutschen Pavillon, der je für eine Weltausstellung gebaut wurde, erwartet, sagt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), dessen Ressort die Kosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro aufbringt.
Architektur ohne senkrechte Wände
Locken soll die Expo-Besucher eine Architektur ohne senkrechte Wände: In einem scheinbar labilen Gleichgewicht schweben die Baukörper des Pavillons übereinander. Nur gemeinsam seien sie stabil, sagt Architekt Lennart Wiechell. Denn auch das wollen die Ausstellungsplaner vermitteln: Trotz aller Unterschiedlichkeit ist Zusammenhalt wichtig. Selbst erfahren sollen das die Pavillon-Besucher in der so genannten Energiezentrale des Gebäudes. In der runden Halle hängt wie ein Pendel eine Kugel mit drei Metern Durchmesser. Von den Galerien aus lässt sie sich durch Rufe steuern, erläutert Ausstellungsplaner Redlin. Eine auf die Kugel montierte Videowand aus 400.000 Lämpchen zeige Bilder, die in aller Welt mit Deutschland verbunden werden - etwa in einen überdimensionierten Fußball kann sich die Kugel so elektronisch verwandeln. Einen der eindrucksvollsten Pavillons der Schanghaier Weltausstellung, nennt Wirtschaftsminister Brüderle das deutsche Ausstellungsgebäude schon vor seiner Eröffnung. 6000 Quadratmeter - die größte verfügbare Fläche - hat Deutschland auf dem Expo-Gelände in Schanghai gemietet. Rund 900 Menschen werden in dem Pavillon arbeiten - unter der Führung eines Kölner Teams: Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums betreibt die Kölner Messegesellschaft den Bau. Das sei eine Herausforderung, sagt deren Chef Gerald Böse - auch wenn die Kölner schon den deutschen Pavillon-Betrieb auf den Weltausstellungen in Kanada und Japan verantwortet hätten. Als „Reiseland und Innovationsführer in der Wirtschaft“ sollen die Kölner Deutschland in Schanghai darstellen, formuliert es das Wirtschaftsministerium.
Die Besucher des Pavillons werden im „Garten“ Blumen und Grillfleisch riechen und im „Depot“ deutsche Ingenieurleistungen sehen: einen Akkubohrer und eine Beinprothese etwa. Wichtig ist den Planern zudem offenbar das Image der Deutschen als umweltfreundfreundliche Nation. Sie stellen Solarzellen aus und zeigen deutsche Windenergieparks. Zudem ist praktisch alles im deutschen Pavillon wiederverwendbar. Selbst die Kleidung der Pavillonmitarbeiter, berichten die Ausstellungsplaner, ließen sich nach Ende der Weltausstellung zweckdienlich kompostieren.
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22. April 2012,
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