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Archiveinsturz

Wasserkontrolle vom Schreibtisch aus

Von Susanne Happe, 18.03.10, 21:17h, aktualisiert 19.03.10, 08:35h

Neue Informationen zum Stadtarchiv-Einsturz und über den Pfusch an Baustellen der Nord-Süd-Stadtbahn waren erneut Thema in einer Sondersitzung des Hauptausschusses. Die CDU sieht Widersprüche in der Darstellung des Umweltdezernats über die Wasserentnahmen.

Severinstraße
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Die Umweltbehörde scheint vom Verstoß der Bauunternehmen gewusst zu haben, sah jedoch keinen Anlass zu handeln. (Foto: dpa)
Severinstraße
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Die Umweltbehörde scheint vom Verstoß der Bauunternehmen gewusst zu haben, sah jedoch keinen Anlass zu handeln. (Foto: dpa)
Köln - Für die Kölner Verkehrs-Betriebe berichtete deren Vorstandssprecher Jürgen Fenske über die Erkenntnisse des von der KVB beauftragten Anwalts: Bei der Abnahme der Bewehrung in der Baustelle Heumarkt habe eine ausreichende Kontrolle durch den Bauherrn, also die KVB, nicht stattgefunden. Darüber hinaus sei die Arge 2008 am Waidmarkt unter anderem durch einen KVB-Mitarbeiter darauf hingewiesen worden, dass die wasserrechtlichen Genehmigungen durch das Umweltamt angepasst werden müssten. Dies sei aber nicht erfolgt und auch nicht nachgefragt worden. Weiter: Ab Oktober 2008 seien beim Historischen Archiv deutliche Setzungen festgestellt worden. Der Anwalt habe festgestellt, dies sei möglicherweise für die Statik des Gebäudes nicht von Bedeutung gewesen. Aber die Tatsache, dass die Setzungen sich nur auf einer Seite des Gebäudes gezeigt hätten, „hätte zum Nachdenken führen müssen“. Eine Gesamtbetrachtung dieser Setzung mit der Wasserhaltung und der Förderung der Wassermengen habe gefehlt.

Zu offenen Fragen zur Wasserhaltung und zu illegal gebohrten Brunnen an der Unglücksstelle am Waidmarkt gab Umweltdezernentin Marlis Bredehorst eine umfangreiche Erklärung ab. CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka meinte: „Je mehr Antworten Sie geben, desto mehr Fragen stellen sich uns.“

Ungereimtheiten in Darstellung

Granitzka hob einige Widersprüche in dem Papier hervor. Bredehorst habe mitgeteilt, während die Qualitätsprüfung des Wassers dem Umweltamt gemeldet werden musste, hätten die geförderten Mengen lediglich erfasst und von der Arge vierteljährlich dem Regierungspräsidenten mitgeteilt werden müssen. Das sei nicht geschehen und auch nicht kontrolliert worden. An anderer Stelle, so Granitzka, werde auf den Paragrafen 116 des Landeswassergesetzes hingewiesen, nach dem das Umweltamt nicht nur die Qualität, sondern auch die Größenordnung der Wassermengen hätte überprüfen müssen, also nicht der Regierungspräsident.

Der CDU-Fraktionschef wollte wissen, ob die Dezernentin am Waidmarkt vor Ort Kontrollen durchgeführt habe. Dort seien 400.000 Kubikmeter Wasser mehr entnommen worden als erlaubt. Bredehorst sagte, im Zuge der gesamten Bauarbeiten der Nord-Süd-Stadtbahn seien mehr als einhundert wasserrechtliche Erlaubnisse erteilt worden. Es sei auch vor Ort kontrolliert worden. Am Waidmarkt allerdings habe sich die Kontrolle allein auf die Durchsicht der Unterlagen am Schreibtisch beschränkt.

Archiv-Bergungsbauwerk: Die Zeit drängt

Stadtdirektor Guido Kahlen erklärte, dass der Startschuss für den Bau des Bergungsbauwerks an der Stelle des eingestürzten Stadtarchivs gefallen sei. Man sei unter extremem Zeitdruck, der Bau müsse am 1. Juli fertig sein. Denn die Bergungsphase müsse laut Gutachter, der vom Gericht bestellt wurde, am 31. August abgeschlossen sein. Dann müsse wegen eines denkbaren Herbst-Hochwassers mit dem Besichtigungsbauwerk begonnen werden. Es wird gebaut, damit Experten den Grund für den Einsturz feststellen können. Schon jetzt fehlen laut Stadtverwaltung immer noch statische Angaben der Arge. Was passiert, wenn der Termin nicht eingehalten werden kann? Kahlen konnte darauf keine Antwort geben.



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