Von Christine Schultze, 18.03.10, 21:49h, aktualisiert 19.03.10, 12:18h
Es ist nicht das erste Mal, dass SIS mit harten Einschnitten auf Kurs gebracht werden soll - und Arbeitnehmervertreter meldeten Zweifel an, ob die Trendwende dieses Mal gelingt. Es gebe weiter kein tragfähiges Geschäftsmodell für die Sparte, bemängeln Betriebsrat und IG Metall.
Seit Jahren leidet SIS unter scharfem Wettbewerb, hohem Preisdruck, Volumenrückgängen und Ertragsproblemen. Mit kleineren und flexibleren Anbietern könne die Sparte nicht mithalten und das Outsourcing-Geschäft schwächelt, wird selbst in Arbeitnehmerkreisen eingeräumt. Als Stolperstein werden dabei auch vergleichsweise hohe Gehälter und veraltete Arbeitsprozesse bei SIS gesehen. Daher galt zuletzt eine weitere Sanierung der Sparte, die 2009 nur ein Ergebnis von 90 Millionen Euro vorweisen konnte, als unausweichlich.
Schlankere, effizientere Strukturen, die Konzentration der sieben Geschäftseinheiten auf die beiden Säulen IT-Outsourcing und Lösungsgeschäft sowie Investitionen von über eine halben Milliarde Euro in den Ausbau des Geschäfts - so heißen nun die Rezepte, mit denen SIS flottgemacht werden soll. Letztlich, so Siemens-Finanzchef Joe Kaeser, verspreche die IT-Branche trotz spürbarer Blessuren durch die Wirtschaftskrise künftig wieder gute Wachstumschancen. „In Phasen des Wachstums werden Marktanteile verteilt und damit die Umsätze der Zukunft.“ Deshalb müsse die Neuausrichtung jetzt zügig umgesetzt werden.
Künftige Marktchancen soll SIS dann allerdings in Eigenregie nutzen: Nach der rechtlichen Abspaltung soll die Sparte ab Oktober eigenständig operieren. Letztlich könnte dies in einen Verkauf oder einen Börsengang münden.
Die Historie des IT-Dienstleisters, der noch unter Ex-Konzernchef Klaus Kleinfeld eingegliedert wurde und jetzt eine Rolle rückwärts vollziehen muss, sieht das Siemens-Management nicht ohne Selbstkritik: Es sei nicht gelungen, SIS in einen modernen, softwaregetriebenen Anbieter umzuwandeln. Bei der Gewerkschaft bleibt deshalb Skepsis: Zunächst sieht sie den Umbau als neue Sparrunde. Doch damit gebe es trotzdem keine Gewähr, dass das, was übrig bleibt, marktfähig ist. Auch frühere Einschnitte hätten SIS nur für kurze Zeit Luft verschafft. (dpa)
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