Von Brigitte Schmitz-Kunkel, 19.03.10, 20:01h, aktualisiert 19.03.10, 20:26h
Wie kam der Autor des legendären Fußballbuchs „Fever Pitch“ überhaupt auf die Liste? „Ich bin's schuld, dass die Eintrittspreise gestiegen sind und Fußball ein Mittelschicht-Vergnügen wurde. Das Flair der Arbeiterklasse ist weg“, zitiert Hornby die „Times“-Begründung, und macht nicht den Eindruck, als ob er das so falsch fände.
Ohne Fußball geht's nicht, wenn der britische Kult-Autor zur lit.Cologne-Lesung antritt. Ohne Pop-Musik natürlich auch nicht, denn das ist Hornbys andere Leidenschaft - und Thema seines neuen Romans „Juliet, naked“. Über dies und mehr sprach er mit Moderator Philipp Schwenke, nachdem die Zuhörer in der ausverkauften Uni-Aula nicht nachvollziehbare Einlasshindernisse überstanden hatten. „Juliet, naked“ knüpft 15 Jahre nach „High Fidelity“ da an, wo die Protagonisten von damals heute angekommen sein könnten.
Aus den Jungdreißigern sind Erwachsene geworden, die ihr Leben mehr oder weniger erfolgreich meistern - mancher Traum ist unterwegs auf der Strecke geblieben. Duncan, Lehrer, ist seit 15 Jahren mit Annie zusammen, der Kuratorin im Heimatmuseum des Kaffs, in dem sich jeder der beiden auf seine Weise langweilt. Duncan ist glühender Fan des seit 20 Jahren abgetauchten Rocksängers Tucker Crowe; reist im Urlaub auf dessen Spuren durch die USA und betreibt eine Fanseite. Als ein Album mit uralten Demoaufnahmen von Crowe erscheint, wagt es Annie, eine kritische Besprechung ins Netz zu stellen. Das gibt Ärger mit Duncan - aber es gefällt Tucker Crowe, der ein zurückgezogenes Familienleben führt und den Fanhype um sich ziemlich seltsam findet. Er nimmt Kontakt mit Annie auf...
Nach einigen ganz guten („About a Boy“, „A Long way down“) und einigen flauen Werken („How to be good“, „Slam“) ist Hornby hier endlich wieder in alter Hochform: Mit einem unwiderstehlichen Sound von pulvertrockenem Witz und zarter Traurigkeit (von Ensemble-Mitglied Andreas Grötzinger kongenial auf Deutsch vorgetragen) wirkt „Juliet, naked“ wie der Song einer Generation, die vom eigenen Ich retten will, was noch zu retten ist.
Er selbst habe ein etwas ambivalentes Verhältnis zu seinen Figuren, meinte Hornby. Einerseits fände er das Fan-Sein ziemlich langweilig. „Aber ich traue auch niemandem, der gar keine Obsession hat“. Da war er an diesem Abend bei den Richtigen; es gab begeisterten Applaus, nicht zuletzt für Hornbys kabarettreifes Lesen. Und seine Frau weiß jetzt auch, wo ihr Mann am Donnerstagabend war: Zum Beweis nämlich fotografierte Nick Hornby das erheiterte Auditorium.
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22. April 2012,
E-Werk Köln