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Unmut ist das vorherrschende Gefühl

Von OLIVER TRIPP, 20.03.10, 07:03h

Wohnt man zukünftig lieber im Süden von Manheim-neu, dort wo Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden sollen, oder im Norden, mit freiem Blick auf den Dickbusch? Oder ist die...

KERPEN-MANHEIM. Wohnt man zukünftig lieber im Süden von Manheim-neu, dort wo Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden sollen, oder im Norden, mit freiem Blick auf den Dickbusch? Oder ist die Dorfmitte attraktiver, weil hier dann auch Raum für wenig emissionsbelastetes Gewerbe ist, wie etwa den Elektrobetrieb, ein größeres Geschäftshaus oder den Automechaniker?

Die Bürger Manheims waren eingeladen, sich über den anonymen Fragebogen zu Grundstückswünschen zu informieren. Zeit auch für Senioren sich Gedanken zu machen, wie sie künftig leben möchten. Tipps gab Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe.

Als Grundlage für eine noch genauere Planung des neuen Ortes solle die anonyme Befragung gelten, erläuterte der Architekt Peter Jahnen.

Im September solle dann die Entscheidung über den Bebauungsplan im Stadtrat fallen. „Zeit, klar Schiff zu machen“, forderte der Beigeordnete Peter Knopp die Zuhörer in der voll besetzten Mehrzweckhalle auf.

Bevor aber einer sein Grundstück plane, müsse er wissen, wie viel er für sein altes bekomme, gab ein Zuhörer zu bedenken. „Wenn es so weit kommt, dass unsere Grundstücke nur in einer Tiefe von 35 Metern als Baugrund und rein nach Verkehrswert abgerechnet werden, dann proben wir hier den Aufstand. Dann wird es keine Umsiedlung geben“, nahm Wilhelm Lambertz als Vorsitzender des Bürgerbeirates den Beitrag als Vorlage.

Er gab das Mikrofon weiter an Rüdiger Krüger. Aus einem Stück Papier hatte er die Form eines der typischen Manheimer Grundstücke ausgeschnitten, ein langes Rechteck, „600 Quadratmeter mit zehn Meter Straßenfront“. Was Bürger an Entschädigungsleistung zu erwarten hätten, „rein nach Sachstand aktuellen Rechts“, so Krüger, habe er ausgerechnet. Bauland auf 35 Meter Tiefe, also 350 Quadratmeter, würden 45 500 Euro bringen, rechnete Krüger vor, die restlichen 250 Quadratmeter nur noch 3750 Euro. Unter dem Strich also 49 250 Euro. Gleiche Grundstücksgröße in Manheim-neu, in einem „anderen Zuschnitt von 20 mal 30 Metern“, lasse sich RWE-Power allerdings mit 78 000 Euro vergüten, sagte Krüger. „Das ist, was RWE als Werttausch versteht, dabei haben sie die Grundstücke als billiges Ackerland erstanden. Wert vielleicht 18 000 Euro. Wir sollten also wenigstens 31 000 Euro rausbekommen“, schimpfte Krüger.

„Gehen Sie davon aus, dass Sie das bekommen, was Sie heute haben, das zeigt meine Erfahrung aus anderen Umsiedlungen“, entgegnete Jahnen. Auch Lambertz lenkte ein, das vorgetragene Beispiel zeige ja auch nur die Bandbreite der möglichen Entschädigungssummen. 95 Prozent der Umsiedler beispielsweise in Immerath könnten tatsächlich ohne Zuzahlung umziehen, wusste der Vorsitzende des Bürgerbeirates.

Allen Aufrufen zum Trotz, sich rege an der Umfrage zu Grundstückswünschen zu beteiligen, blieb nach der Darstellung des Bürgerbeirates bei vielen eine Missstimmung zurück. Ein Grundstücksbesitzer brachte es für sich auf die einfache Formel: „Wenn ich nicht weiß, was ich für das Haus kriege, kann ich nichts planen.“ „Wir werden hier gut beschissen, sonst nichts“, mit diesen drastischen Worten verließ eine Frau die Versammlung.



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