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Boxmeister schlug Freundin nieder

Von ULRIKE SCHÖDEL, 19.03.10, 19:38h

Die Faustschläge kamen aus heiterem Himmel; mit einer unglaublichen Gewalt und Schnelligkeit trafen die Hände des Boxmeisters den Kopf der 39-jährigen Marina D (Name geändert)...

BONN. Die Faustschläge kamen aus heiterem Himmel; mit einer unglaublichen Gewalt und Schnelligkeit trafen die Hände des Boxmeisters den Kopf der 39-jährigen Marina D (Name geändert). „Ich dachte, der tötet mich", erinnerte sich die Zeugin jetzt in einem Prozess vor dem Bonner Amtsgericht. Immer wieder kommen der Frau die Tränen. Der Schmerz, die Verletzungen sitzen tief. Auf der Anklagebank: Der Mann, den sie damals gerade mal fünf Wochen kannte. Ein ehemaliger Amateurboxer, der in den 90ern sogar Deutscher Meister in seiner Klasse gewesen war. Jetzt musste er sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Bedrohung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz verantworten.

In den frühen Morgenstunden des 11. Juni 2009 - den Abend hatte das Paar in einer Tanzbar verbracht - hörte ein Nachbar, der auf seinem Balkon noch eine Zigarette rauchte, die furchtbaren Hilfeschreie einer Frau. Er rief die Polizei und verhinderte möglicherweise Schlimmeres. Aber was die Beamten sahen, war schlimm genug: Das Gesicht von Marina D. war völlig zertrümmert: „Regelrecht zu Brei geschlagen", beschrieb es ein Zeuge. Ihr Nasenbein war völlig zerschmettert, das Jochbein hatte einen Haarriss. Fünf Tage lang mussten die Ärzte warten, bis das Gesicht abschwoll und sie operieren konnten.

Marina D. hat seitdem nur noch Angst vor dem Mann: Selbst zum Prozess kam sie in Begleitung von drei starken Männern, um sich vor dem Angeklagten zu schützen. Drei Tage nach dem brutalen Angriff erwirkte sie eine gerichtliche Verfügung, dass der Sportler sich ihr nicht mehr nähern oder auch nur Kontakt aufnehmen darf.

Der Ex-Meister tat es dennoch: Er schrieb ihr mehrere SMS mit Liebesschwüren und Lovesongs, auch nahm er Kontakt im Internet mit ihr auf und verstieß damit gegen das Gewaltschutzgesetz. Bereits am frühen Morgen nach der Tat hatte der Boxer sich - obwohl damals 1,8 Promille im Blut festgestellt worden waren - ins Auto gesetzt, um Marina in der Uni-Klinik zu besuchen. Das Personal aber ließ den Mann, der ihnen suspekt vorkam, nicht hinein.

„Am liebsten würde ich alles rückgängig machen", beteuerte der Angeklagte vor Gericht. Die Reue jedoch, so beschrieb es Rechtsanwalt Michael Friedrich, der Marina D. als Nebenklägerin vertrat, sei „offenbar nur halbherzig": Denn der Boxer räumte keine Faustschläge, sondern nur zwei Ohrfeigen ein, die schweren Verletzungen kämen von einem Sturz.

Der Bonner Amtsrichter aber glaubte dem Mann nicht: „Das Gesicht einer Frau wie einen Punching-Ball zu benutzen, das ist schon sehr, sehr übel", sagte er und verurteilte den Boxer zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Als Auflage muss er Marina D. 2000 Euro zahlen. Aber es ist nur eine Geste. In einem Zivilverfahren fordert die Nebenklage mindestens weitere 3700 Euro Schmerzensgeld.



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