Von ULRIKE SCHÖDEL, 19.03.10, 19:38h
In den frühen Morgenstunden des 11. Juni 2009 - den Abend hatte das Paar in einer Tanzbar verbracht - hörte ein Nachbar, der auf seinem Balkon noch eine Zigarette rauchte, die furchtbaren Hilfeschreie einer Frau. Er rief die Polizei und verhinderte möglicherweise Schlimmeres. Aber was die Beamten sahen, war schlimm genug: Das Gesicht von Marina D. war völlig zertrümmert: Regelrecht zu Brei geschlagen", beschrieb es ein Zeuge. Ihr Nasenbein war völlig zerschmettert, das Jochbein hatte einen Haarriss. Fünf Tage lang mussten die Ärzte warten, bis das Gesicht abschwoll und sie operieren konnten.
Marina D. hat seitdem nur noch Angst vor dem Mann: Selbst zum Prozess kam sie in Begleitung von drei starken Männern, um sich vor dem Angeklagten zu schützen. Drei Tage nach dem brutalen Angriff erwirkte sie eine gerichtliche Verfügung, dass der Sportler sich ihr nicht mehr nähern oder auch nur Kontakt aufnehmen darf.
Der Ex-Meister tat es dennoch: Er schrieb ihr mehrere SMS mit Liebesschwüren und Lovesongs, auch nahm er Kontakt im Internet mit ihr auf und verstieß damit gegen das Gewaltschutzgesetz. Bereits am frühen Morgen nach der Tat hatte der Boxer sich - obwohl damals 1,8 Promille im Blut festgestellt worden waren - ins Auto gesetzt, um Marina in der Uni-Klinik zu besuchen. Das Personal aber ließ den Mann, der ihnen suspekt vorkam, nicht hinein.
Am liebsten würde ich alles rückgängig machen", beteuerte der Angeklagte vor Gericht. Die Reue jedoch, so beschrieb es Rechtsanwalt Michael Friedrich, der Marina D. als Nebenklägerin vertrat, sei offenbar nur halbherzig": Denn der Boxer räumte keine Faustschläge, sondern nur zwei Ohrfeigen ein, die schweren Verletzungen kämen von einem Sturz.
Der Bonner Amtsrichter aber glaubte dem Mann nicht: Das Gesicht einer Frau wie einen Punching-Ball zu benutzen, das ist schon sehr, sehr übel", sagte er und verurteilte den Boxer zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Als Auflage muss er Marina D. 2000 Euro zahlen. Aber es ist nur eine Geste. In einem Zivilverfahren fordert die Nebenklage mindestens weitere 3700 Euro Schmerzensgeld.
Boxmeister schlug Freundin nieder
20.03.2010 | 19.00 Uhr | Winterscheid
Was muss denn noch passieren? Wer schützt uns vor solchen Richtern ?
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