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Geschichtsprojekt

Gastgeber kam im Kettenhemd

Von Maren Hannken, 19.03.10, 19:38h, aktualisiert 19.03.10, 20:05h

Im Rahmen eines neuen Geschichtsprojekts der Wendelinus-Grundschule und der Katholischen Öffentlichen Bücherei lernen Kinder die Weiße Burg und das Mittelalter näher kennen. Auf der Burg trafen die Schüler auch auf einen "echten" Ritter.

Weiße Burg
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Bei einem neuen Geschichtsprojekt lernen die Kinder die Weiße Burg kennen. (Bild: hom)
Weiße Burg
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Bei einem neuen Geschichtsprojekt lernen die Kinder die Weiße Burg kennen. (Bild: hom)
Bornheim - Der Gastgeber kam im Kettenhemd - mit einem „echten“ Ritter eine mittelalterliche Burg erkunden, das hatten die Schüler der vierten Klasse der Wendelinus-Grundschule in Sechtem noch nicht erlebt. Obwohl in ihrem Wohnort eine Burg steht, sind viele der Kinder damit noch gar nicht in Berührung gekommen. Motto der Bornheimer Bürgerstiftung ist „Kinder sind unsere Zukunft“ - und so möchte sie die Bildung und die soziale Kompetenz der Kinder fördern. Dazu gehört, ihnen ihr eigenes Umfeld näher zu bringen.

Zusammen mit der Wendelinus-Grundschule und der Katholischen Öffentlichen Bücherei führt die Bürgerstiftung derzeit ein lebendiges pädagogisches Geschichtsprojekt durch, bei dem die Kinder mehr über die Weiße Burg im Ort und über das Mittelalter erfahren. Sie sollen lernen, dass in Sechtem schon vor sehr langer Zeit Dinge passiert sind, die für die Dorfgemeinschaft von Bedeutung waren.

Am vergangenen Donnerstag startete diese Mittelaltererkundung. Projektleiter Kai-Ingo Weule erklärte, warum das Projekt gerade in Sechtem so wichtig ist: „Nach Sechtem ziehen immer wieder neue Familien, weil die Eltern hier im Rheinland oft bessere Arbeit finden als anderswo. Dieses Projekt dient der Integration der neu zugezogenen Kinder. So lernen sie ihren neuen Wohnort besser kennen.“

Ganzheitliche Pädagogik

Der freiberufliche Geschichtspädagoge, der oft für das Stadtmuseum Bonn arbeitet, führt nun schon im dritten Jahr Projekte für die Bornheimer Bürgerstiftung durch. Von der Steinzeit bis zur Zeit des Wirtschaftswunders reicht sein Programm. Da er sich nach dem Sachkundeunterricht der Grundschulen richten muss, sind Mittelalter und Römerzeit die Schwerpunkte.

Um den Grundschülern die Themen spielerisch zu vermitteln, setzt er „ganzheitliche Pädagogik“ ein: Beim Besuch der Burg durften die Viertklässler sich bewegen, alles erkunden, anfassen und ausprobieren. Als Ritter mit Helm und Kettenhemd verkleidet, erklärte Weule ihnen, wie schwer das Leben im Mittelalter war, wie unterschiedlich Ritter und Bauern gelebt haben. Die Kinder durften sogar Ritterhelme anprobieren und Schild und Schwert tragen.

Dann konnten sie sich den Innenhof der Weißen Burg anschauen. „Obwohl die Burg vor 170 Jahren neu aufgebaut wurde und heute ein Bauernhof ist - also keine echte mittelalterliche Burg mehr, ist die Erfahrung für die Kinder sehr spannen“, so Weule, „sie sehen die Burg mit anderen Augen und werden offener.“

Der Geschichtspädagoge erklärte auch, warum die Weiße Burg gar nicht weiß ist: Früher von Wiesen umgeben, wurde sie „Wiesenburg“ genannt. Daraus wurde im Laufe der Zeit durch Sprachwandel „Wisseburg“ und dann „Weiße Burg“.

Nach dem Ausflug gings zurück in die Klasse. Hier begrüßte ein mittelalterlicher Bauer die Schüler - Weule trug nun statt Kettenhemd und Lederschuhen eine Tunika und Holzschuhe. Sofort wollten alle Kinder die Holzschuhe anziehen und darin herumlaufen - und das war nicht verboten.

Jetzt war „Kleidung im Mittelalter“ das Thema. Der größte Junge der Klasse durfte selbst eine Tunika anziehen. Zur Veranschaulichung, warum die meisten Menschen Schafwolle getragen haben, füllten die Kinder Wasser in eine Wollmütze, und nichts tropfte raus. Von diesem anschaulichen Programm waren die Schüler hellauf begeistert und stellen eine Frage nach der anderen. Später wurden ihnen Bücher über das Mittelalter näher gebracht, die sie teilweise selbst mitgebracht haben. So wird das Leseverständnis gefördert, und die Kinder lernen, mit Literatur umzugehen. - Das Projekt wird in der kommenden Woche weitergeführt.



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