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Führungsebene

„Betriebe sind auf Frauen angewiesen“

Von Christiane Ruoss, 19.03.10, 21:47h

Dass mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten sollen, steht für die Telekom fest. Nur über den Weg dahin herrscht Uneinigkeit: Ist die Einführung einer Frauenquote sinnvoll oder schadet sie dem Unternehmen?

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Will mehr Frauen auf Führungsebene: die Deutsche Telekom. (Bild: dpa)
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Will mehr Frauen auf Führungsebene: die Deutsche Telekom. (Bild: dpa)
BONN - 30 Prozent Frauen in Führungspositionen bis zum Jahr 2015: Mit ihrem jüngsten Vorstoß hat die Deutsche Telekom für Furore gesorgt. Die Ansichten über die Notwendigkeit einer Frauenquote in der Wirtschaft gehen allerdings weit auseinander - auch in der Region.

Die Deutsche Post beispielsweise will ohne Frauenquote auskommen. Nach Angaben von Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek liegt derzeit der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 25,7 Prozent. „Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müssen wir daran arbeiten, Frauen für Führungs- oder Expertenpositionen zu gewinnen und zu halten. Die Lösung kann aber keine Frauenquote sein“, sagte Thomeczek. Ziel der Post sei es, den Anteil von Frauen in Führungspositionen mit Hilfe von Programmen zu erhöhen. „Wir sollten auf Freiwilligkeit setzen“, sagt Michael Pieck, Pressprecher der Industrie- und Handelskammer Bonn / Rhein-Sieg. Jedoch herrsche in der Wirtschaft oft noch ein traditionelles Rollenverständnis vor, „aber das können wir uns nicht mehr leisten“.

Bei einem Global Player wie der Telekom sieht es da schon anders aus, meint auch Ursula Schubert-Sarellas, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Agentur für Arbeit Bonn / Rhein-Sieg. „Ich denke, die Telekom ist kein Vorreiter in gesellschaftlichem Engagement“, der Konzern habe allerdings einen anderen Bezug zu Gepflogenheiten auf internationaler Ebene - anders als die kleinen und mittleren Unternehmen in der Region. Und man erhoffe sich ökonomische Vorteile. Vor allem für die Region gelte: „Die gläserne Decke ist einfach da“, sagt Schubert-Sarellas. Politik und Verwaltung seien zwar bemüht, Frauen vorzuweisen. „Ansonsten können wir in den Führungsetagen nur von vereinzeltem Vorkommen sprechen.“

Wenn die Telekom ihre Quote erfüllen will, gibt es denn überhaupt genügend qualifizierte Frauen in der Region? „Wie überall auf der Welt, sind wir auch hier vor Ort immer offen für die besten Talente, egal ob männlich oder weiblich“, sagt Telekom-Pressesprecher Dennis Dennert. Der Ruf des Konzerns gehe über die Region hinaus und ziehe viele Menschen nach Bonn.

Für Schubert-Sarellas ist die angepeilte 30-Prozent-Quote ein gutes Ziel. „Interessant wird die Auswahl der neuen Führungskräfte. Sind es die modernen jungen Frauen, die sich mit einer Selbstverständlichkeit im Beruf sehen, aber auch mit großer Selbstverständlichkeit ihren Wunsch nach Kindern formulieren? Oder fordert auch eine Karriere bei der Telekom ein eher männliches Profil mit dem Verzicht auf familiäres Engagement?“ Die Telekom habe sich bereits für Kinderbetreuung für Firmenangehörige engagiert. Damit übe sie eine Vorbildfunktion aus.

Vor allem bei der Kinderbetreuung gebe es in der Region noch dicke Bretter zu bohren, sagt Schubert-Sarellas. „Die jungen Frauen wollen beides: Beruf und Familie. Hier hoffe ich auf ein stärkeres Engagement der Wirtschaft. Firmen, die gut qualifizierte Frauen brauchen - und wir wissen, sie werden sie brauchen - sollten sich im Bereich private Kita, Tagesmütter, Familienservice deutlicher engagieren. Es gibt zarte Ansätze, die aber bei weitem noch nicht ausreichen.“ Das tradierte Bild des männlichen Alleinernährers mit der dazuverdienenden Teilzeitfrau gehört ihrer Ansicht nach ins Museum. „Die Wirklichkeit sieht anders aus.“



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