Von Bianca Pohlmann, 19.03.10, 21:30h
Die Zahlen sind nicht von der Hand zu weisen: Statistisch wird in NRW einfach mehr Kölsch getrunken als Alt. Im Jahr 2008 nahm laut den Brauereiverbänden NRW Kölsch 16,38 Prozent des Bier-Gesamtausstoßes ein, Alt dagegen eher magere 8,73 Prozent. Was auch an der Werbung liegen könnte. Denn selbst in der Landeshauptstadt muss man neidlos anerkennen, dass die Kölner es einfach verstehen, ihr Bier anzupreisen. Und das sogar in Düsseldorf. Legendär mittlerweile das Plakat mit dem diamantenbesetzten Flaschenöffner für Düsseldorfer. Oder der Hinweis „Jetzt auch in den wichtigsten Dörfern rund um Köln“.
Inès Batista, Redakteurin bei „alt-knallt“, lacht über die Slogans - „immer ein Riesenspaß“. Im vergangenen Jahr kam dann aber einer, der traf die Altbier-Fraktion ins Herz: „Bevor es Alt wird“ war neben dem Kölsch-Glas zu lesen. Das blieb den Düsseldorfern im Hals stecken. Das Fass war voll. Da muss sich doch mal eine Altbier-Brauerei finden, die Paroli bietet, dachten die „Wunderknaben“. Und schrieben die verschiedenen Firmen an - ohne Antwort. So entstand, quasi aus der Hüfte, die Idee „Mal was fürs Altbier zu machen“, mit der man vielleicht den Düsseldorfer an sich mobilisieren kann.
Man kann. Anfang Februar ging die Alt-Homepage online. Und ruckzuck traten 1555 Fans der Facebook-Gruppe für das Obergärige bei. Mehr als 70 000 Mal wurde die Homepage im ersten Monat angeklickt. Im Forum wird für Alt gedichtet und gegen Kölsch gewettert. Als Anregung hatten die vier kreativen Altbierfans der Agentur Plakatvorschläge auf die Internetseite gestellt und die Besucher aufgefordert, mitzumachen. „Lasst die Kölner Alt aussehen...“. Täglich werden nun neue Entwürfe auf die Seite hochgeladen.
„ALTersvorsorge“ steht dort neben einem Kühlschrank voller entsprechender Bierflaschen. „Die Länge ist nicht entscheidend“ findet Nutzer Zorro beim Vergleich von Altbierglas und Kölschstange. Und der „Kölner mit Sympathie für Düsseldorf“ fragt auf seinem Plakatvorschlag nach: „Schon mal was von kölschklug gehört?“ Bei Früh in Köln möchte man sich zu der Idee aus Düsseldorf nicht äußern.
Die Altbier-Unterstützer laden nicht nur Kreationen hoch, sondern schicken der Agentur jede Menge Fanpost. „Wir bekommen Zeichnungen und viele Fotos“, sagt Batista. Jetzt überlegen sich die Kreativen weitere Wege, das Altbier zu retten. Vielleicht mit einem weltweiten Altbierfinder, der beweist, dass es das herbe Dunkle nicht nur am verlängerten Niederrhein gibt. Oder mit einem Trikot-Sponsoring für die Rettung des Altbiers - vorausgesetzt, es würde sich beispielsweise eine Kölner Junioren-Mannschaft finden, die damit aufs Spielfeld läuft.
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