Von STEPHAN BROCKMEIER, 20.03.10, 07:06h
OVERATH. Zwar wurden die jüngsten planungsrechtlichen Beschlüsse am Donnerstagabend im zuständigen Ausschuss immer noch mit großer Mehrheit gefasst, doch war der Ton ein ganz anderer als früher. Waren in der vergangenen Legislaturperiode die Overather CDU-Politiker Hans Wester und Hans-Joachim Klug noch als einsame Mahner in der Wüste erschienen und hatten sich zwar nicht ungenügenden Lokalpatriotismus, aber doch einen Mangel an Sachkunde vorwerfen lassen müssen, so enthielten sich jetzt gleich fünf Ausschussmitglieder (drei der CDU, je einer der Grünen und der Bürger für Overath) beim Beschluss über die Änderung des Flächennutzungsplanes, und sogar sechs beim Bebauungsplan.
Die Gruppe der nach der letzten Wahl neu in den Rat eingezogenen CDU-Politiker stellt nach den Worten ihres Sprechers Guido Lazotta das Projekt sogar grundsätzlich in Frage. Lazotta: Für das komplette Cyriax-Schulzentrumsprojekt verplanen wir 17 Millionen Euro und bei Gut Eichthal mit nur drei Klassenzimmern in der Natur 3,5 Millionen. Könnte man diese drei Klassenzimmer nicht einfach ins Cyriax rüberschieben und dort den gleichen Unterricht geben?
Auch die CDU-Altvorderen Wester und Klug bekannten in der Sitzung ein weiteres Mal Farbe. Wester: Ich weiß nicht, warum wir hier an der Agger jetzt gleich zwei Brücken und drei Klassenräume haben müssen. Eine Brücke und zwei Klassenzimmer täten es auch! Ein anderer Bauherr als die öffentliche Hand bekäme in diesem sensiblen Bereich nicht einmal eine Hundehütte genehmigt. Das finanzielle Volumen sei von 2,7 Millionen Euro auf inzwischen 3,5 Millionen Euro gestiegen. Nach den bisherigen Erfahrungen werden es am Ende vier Millionen sein. Für die Folgekosten zahle dann aber alleine die Stadt Overath. Diese Folgekosten könnten schnell 150 000 bis 200 000 Euro jährlich betragen, so sein Parteifreund Lazotta.
Eine Breitseite feuerte Wester auf Regionale-Chefkoordinator Dr. Reimar Molitor ab: Der hat sich doch immer hingestellt und gesagt: ,Die Regionale gibt es nur so, wie ich sie will, oder es gibt sie gar nicht. Dabei habe Bergisch Gladbach auch abspecken können. In der Kreisstadt wurde das Gesamtvolumen der Projekte bekanntlich von 15 auf 11 Millionen Euro gesenkt.
Den CDU-Abweichlern widersprach im Ausschuss FDP-Fraktionschef Hermann Küsgen. Wir können jetzt nichts mehr an der Planung zurückdrehen. Das wäre fahrlässig. Es sei auch falsch, jetzt die Schuld auf Regionale-Planer Molitor zu schieben. Wir haben es alle so gewollt. SPD-Ratsherr Rolf Trefz sagte ergänzend, dass zwei Aggerbrücke notwendig sei, da die Planung in einem größeren Zusammenhang zu sehen sie. Am Projekt KennenLernenUmwelt seien vier Kommunen beteiligt, neben Overath und Rösrath auch die beiden Rhein-Sieg-Städte Lohmar und Troisdorf. KLU stehe im Übrigen auch für Erwachsenenbildung.
Grünen-Ausschussmitglied Gerhard Bartel distanzierte sich persönlich ebenfalls von der Planung: Da steht zu viel Beton in der Landschaft. Zudem forderte er die Verwaltung auf nach Möglichkeiten zu suchen, das Overather Regionale-Projekte nach Gladbacher Vorbild zu 90 Prozent gefördert zu bekommen. Bau-Beigeordneter Wolfgang Bürger versicherte Wir sind voll am Ball.
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