Von MICHAEL SCHNITZLER, 29.03.10, 07:00h
Diese zunehmende Überwachung der Bürger durch den Staat, in den vergangenen Jahren etwa in Bezug auf die Methode der Videoüberwachung kontrovers diskutiert, ist das Hauptthema von Liebolds Buch. Die Hauptfigur, der manisch-depressive 60-jährige Bauer Rowedder aus dem Siebengebirge, fühlt sich permanent vom Staat verfolgt, weshalb die Erzählung eine Gradwanderung zwischen der mitunter erschütternden Wirklichkeit und den paranoiden Fantasien des Bauern darstellt.
Als schlussendlich ein Flugzeug im Auftrag des deutschen Staats in den Langen Eugen - das Zentrum des UN-Campus' in Bonn - gelenkt wird, um neuen Antiterror-Gesetzen den Weg zu bereiten, kann der in Ohnmacht fallende Rowedder längst nicht mehr zwischen der Realität und seinen Wahnvorstellungen unterscheiden.
Gerade diese Momente zwischen Realität und Wahnsinn waren es, die Liebold besonders gekonnt szenisch darstellte. Dazu lieferte sein musikalischer Partner Bernd Gast die passende akustische Untermalung: Mit seiner Gitarre und seinem Mini-Keyboard legte er mal normale, dann wieder verzerrt-verrückte Geräusche unter Liebolds Erzählung und gab der Lesung so die entsprechende Atmosphäre.
Schade war es, dass nur wenige Besucher der Lesung beiwohnten, die im Rahmen der fünften Literatour in Nettersheim stattfand. Kerstin Juchem, Leiterin der Gemeindebücherei war angesichts der geringen Resonanz etwas ratlos, Liebold hingegen nahm es gelassen - nachdem der Königswinterer sich draußen sein Pfeifchen angesteckt hatte, las er drinnen entspannt für das anwesende Grüppchen.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt