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Kriminalstatistik

Tonnenweise Kokain geschmuggelt

Von Dieter Brockenschnieder, 03.03.10, 15:15h, aktualisiert 04.03.10, 12:16h

Bonner Drogenfahndern ist es gelungen, einen internationalen Drogenring zu sprengen, der tonnenweise Kokain nach Europa geschmuggelt hatte. Ein Geschäftsmann aus Troisdorf war Kapitän einer Yacht, die den Stoff transportierte.

Drogenschiff
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Die "Hiqe" soll die Drogen nach Europa gebracht haben.
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Die "Hiqe" soll die Drogen nach Europa gebracht haben.
BONN/RHEIN-SIEG-KREIS - Der „Admiral“ hatte alles vorbereitet. Der 49-Jährige Lette schickte seine Segelyacht „Hiqe“ mal wieder auf große Fahrt. Zu Weihnachten 2007 hatte sie Conakry, die Hauptstadt von Guinea (Westafrika), erreicht. Dort gönnte der Kapitän, ein 57-jähriger Geschäftsmann aus Troisdorf, sich und seiner Besatzung eine Pause, um dann im Februar 2008 wieder die Segel zu setzen. Denn vor der Küste Guineas war ein Rendezvous mit dem Frachter „Junior“ vereinbart, von dem die Mannschaft der „Hiqe“ eine größere Menge Kokain übernehmen sollte.

Bis dahin war alles glatt gelaufen. Doch „Junior“ konnte den Kontrakt nicht einhalten, weil ein Zuliefererschiff aus Brasilien nicht pünktlich war. Der Troisdorfer Kapitän entschloss sich daher, die Sache selbst zu regeln und nahm Kurs auf Brasilien. Wenig später aber legte der Zulieferer doch noch seitwärts der rostbraun gestrichenen „Junior“ an und hievte die bestellten illegalen Drogen an Bord.

Über ein Jahr dauerten die Recherchen der Ermittlungsgruppe „Anker“ der Bonner Polizei, bis sie dieses Geschäft auf hoher See geklärt hatte. Dazu wurden unter anderem abgehörte Satellitentelefongespräche ausgewertet, die Auskunft über den Weg der Schiffe gaben.

Im Sommer 2008 hatten die Ermittler des Kriminalkommissariats 21, das für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität zuständig ist, Hinweise auf den 57-Jährigen Geschäftsmann aus Troisdorf, einen Staatenlosen aus der ehemaligen Sowjetunion, bekommen, der intensive Kontakte zu einer Bande aus Lettland pflegen sollte.

Immer wieder, so berichtete gestern Erster Kriminalhauptkommissar Rainer Bell, der Leiter der Ermittlungsgruppe, habe es Treffen der Verdächtigen in Bonn, im Rhein-Sieg-Kreis, in Köln, in Riga und in den Niederlanden gegeben. Durch die Zusammenarbeit mit Fahndern in den USA, in Belgien und Spanien, erfuhren die acht „Anker“-Leute, dass der 57-Jährige ein Kapitätspatent und mit der Zweimastyacht „Hiqe“ Mitte 2007 1,2 Tonnen Kokain von Südamerika nach Spanien gebracht haben soll. Vor dort lieferten Kuriere den Stoff nach Belgien, Holland und nach Lettland.

„Wir hatten es mit Global Playern zu tun“, berichtete Bell. „Die waren ständig mit Laptops unterwegs, haben die modernsten Kommunikationsmittel benutzt, trafen sich auf Gran Canaria, in Lettland, München oder Köln.“

Zeit für die Bonner also, im Januar 2009 Europol, die europäische Polizeiorganisation, einzuschalten. Beinahe wöchentliche trafen sich Abgesandte der Bonner Kripo in der Europol-Zentrale in Den Haag mit den Kollegen. Experten aus 15 Nationen waren am Ende an den Ermittlungen beteiligt.

Sie begannen im August 2008 in Frankfurt / Main, als ein Kurier mit 15 Kilogramm Ecstasy-Pillen festgenommen wurde, der im Auftrag der Letten unterwegs gewesen sein soll. Er „sang“ im Verhör und erzählte, dass von 2006 bis 2008 15 Kilogramm Kokain und 750 000 Pillen von den Niederlanden über Deutschland, Polen und Litauen nach Lettland geschmuggelt worden seien.

Zurück zum Frachter „Junior“. Der hatte vor Guinea 3,2 Tonnen Kokain geladen. Die französische Küstenwache jedoch hatte einen Tipp bekommen und stoppte den Seelenverkäufer: Die Drogen wurden beschlagnahmt, die Besatzung festgenommen.

Diese Niederlage aber konnte die Dunkelmänner nicht stoppen. „Maßgebliche Mitglieder der Tätergruppe“, so Kommissar Bell, trafen sich im März 2009 in einen Hotel am Breslauer Platz in Köln mit Kontaktleuten aus Osteuropa und den Niederlanden. Verabredet worden sei, Kokain aus Ecuador, getarnt in einer Ladung Melasse, einer Art Sirup, auf dem Seeweg nach Europa zu bringen, dort den Koks in Labors zu extrahieren und dann an die Abnehmer zu verkaufen.

Der Plan schlug fehl, weil Europol mitgehört und die Behörden in Ecuador eingeschaltet hatte. Beamte der Drogenfahndung nahmen am 8. Mai 2009 in Guaqui mehrere Personen fest und beschlagnahmten 600 mit Melasse gefüllt Behälter mit einem Gewicht von 22 Tonnen, die pro Fass sechs bis acht Prozent reines Kokain ergeben hätten.

Unter den in Ecuador Verhafteten ist auch der 49-Jährige, der als Kopf der Bande gilt und „Admiral“ genannt wird. Er ist Miteigentümer der „Hiqe“ Die Staatsanwaltschaft Bonn hat einen Auslieferungsantrag gestellt. Am 19. Mai 2009 wurde der Kapitän der Yacht im Rhein-Sieg-Kries in Handschellen gelegt; zeitgleich gingen in Lettland zwei mutmaßliche Komplizen im Alter von 37 und 40 Jahren in Haft.

Die drei stehen Ende April vor dem Bonner Landgericht. Die Polizei beschlagnahmte in Deutschland und Lettland Bargeld, Wertgegenstände und Anteile an Immobilien und Gesellschaften in Höhen von 300 000 Euro. Die „Hiqe“, die 200 000 Euro wert sein soll, liegt konfisziert in einem nordspanischen Hafen.



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