Erstellt 11.03.10, 18:11h
Herzlichen Glückwunsch, Frau Schrader! War der Preis eine Überraschung?
Ja, absolut. Ich bin ja ein Neuling in diesem Segment. Ich hatte vorher erst ein Hörbuch allein und eins mit Matthias Brandt eingelesen.
Was ist das Besondere an dieser Arbeit?
Sie gefällt mir sehr, weil sie so auf die Sprache, auf die Atmung konzentriert ist, fast wie in einem Labor. Man sitzt in diesen schalldichten Studios, durch das Glas sieht man die Regie, und die feinsten Nuancen sind hörbar, als läge die eigene Stimme unter dem Mikroskop. Dadurch wird der Text besonders lebendig.
Sie sind außer bei der Eröffnung noch an drei weiteren Abenden bei der lit.Cologne präsent, am 14. März bei der Opern-Collage "Viva la libertà", am 15. bei der Gala mit Roger Willemsen in der Philharmonie und am 17. bei dem Irène Némirowsky-Abend "Die Menschen sind Wölfe". Was verbindet Sie mit dem Literatur-Festival?
Es hat mich quasi zum Lesen - oder besser: Vorlesen - gebracht und später dann auch zum Hörbuch. Ich war ja eine "Frau der ersten Stunde", las dort erstmals aus Zeruya Shalevs Roman "Liebesleben" den ich 2005 verfilmt habe. Seither war ich fast jedes Jahr dabei, und die Veranstalter begeistern mich immer wieder mit ihrem Einfallsreichtum, ihrer Energie und guten Laune.
Sie drehen gerade in Polen den Film "Hidden". Um was geht es?
Agnieszka Holland verfilmt in einer deutsch-polnisch-kanadischen Koproduktion die wahre Geschichte einer Gruppe von Juden, die 1943 über 15 Monate in der Kanalisation von Lwow (Lemberg) ausgeharrt haben. Die Außenaufnahmen finden teilweise bei grimmiger Kälte in Warschau statt. Nach der Gala der lit.Cologne geht es in Lodz weiter, dort drehen wir dann in der Kanalisation.
Und welches Buch lesen Sie im Moment?
Während der Drehpausen habe ich in den letzten Tagen die Kurzgeschichten von Anton Tschechow gelesen. Das passte sehr zu dem alten Ofen, neben dem ich saß, und dem Pferdegetrappel unten im Hof.
Ist die Filmarbeit für Sie ein Ausgleich zum Theater?
Das sind eigentlich zwei verschiedene Berufe. Beim Film arbeitet man sozusagen in kleinen Portionen. Beim Theater steht jeder Abend für sich und will von neuem gespielt werden. Und wenn man es geschafft hat, kann man hinterher sagen: Ich habe meine Arbeit getan. Ich empfinde es als großes Glück, in den unterschiedlichen Segmenten zu arbeiten.
Und wann wird man Sie in Köln wieder auf der Bühne sehen?
Im April in "Das Goldene Vlies", im Mai in "Die Kontrakte des Kaufmanns". Und für die nächste Saison hoffe und glaube ich, dass Karin Beier und ich den richtigen Stoff für eine neue Zusammenarbeit finden - ich würde gern mal Shakespeare spielen.
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