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Arbeitsmarkt-Schätzung

Im Schnitt 3,5 Millionen Arbeitslose?

Erstellt 12.03.10, 11:32h, aktualisiert 12.03.10, 12:56h

Das Berufsforschungs-Institut der Arbeitsagentur rechnet für 2010 mit 3,5 Millionen Arbeitslosen im Jahresschnitt. Dies wären 120.000 mehr als 2009, aber weniger als derzeit registriert sind. Unterdessen warnt die Behörde die Bundesregierung davor, Fördermittel zu kürzen.

Kölner Arbeitslosigkeit
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Die Zahl der Arbeitslosen ist in Köln zum Jahresbeginn erheblich gestiegen. (Bild: dpa)
Kölner Arbeitslosigkeit
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Die Zahl der Arbeitslosen ist in Köln zum Jahresbeginn erheblich gestiegen. (Bild: dpa)
NÜRNBERG/BERLIN - Die Zahl der Arbeitslosen wird 2010 im Jahresdurchschnitt um 120.000 auf 3,5 Millionen steigen. Das erwartet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Von der höheren Arbeitslosigkeit sei ausschließlich Westdeutschland betroffen, wo es 150.000 Arbeitslose mehr geben werde. Dagegen sinke im Osten wegen der demografischen Entwicklung das Angebot an Arbeitskräften. Die Zahl der Arbeitslosen könne sich dort sogar um 30.000 verringern, teilte das IAB am Freitag mit.

Laut der Zahlen für den Monat Februar sind derzeit 3,64 Millionen Menschen als erwerbslos gemeldet - im Vergleich zum Februar 2009 sind damit 91.000 Bürger mehr ohne Job. Die aktuelle Arbeitslosenzahl liegt demnach leicht über dem vom IAB für 2010 prognostizierten Schnitt. Die Arbeitslosenzahl entsprach einer gesamtdeutschen Quote von 8,7 Prozent. Während in den alten Bundesländern die Quote im Vergleich zum Vormonat mit 7,4 Prozent unverändert blieb, stieg sie im Osten von 13,5 auf 13,7 Prozent.

Wer den Job verliert oder gerade erst mit der Ausbildung fertig wird, dürfte es nach Einschätzung der Forscher zunehmend schwerer haben, eine Stelle zu finden. Denn wenn die Konjunktur anzieht, werden die Unternehmen zunächst die Kurzarbeit zurückfahren und die Arbeitszeitkonten wieder füllen, ehe sie neue Leute einstellen. Die Dauer der Arbeitslosigkeit und die Zahl der Hartz-IV-Empfänger werde sich in diesem Jahr deshalb erhöhen, warnte das IAB.

"Eine generelle Entwarnung kann für den Arbeitsmarkt jedenfalls nicht gegeben werden, denn die deutsche Wirtschaft ist nach wie vor deutlich unterausgelastet", schreiben die Autoren der IAB-Studie. Bei ihren Berechnungen nehmen sie ein Wirtschaftswachstum von 1,75 Prozent an.

Arbeitsagentur warnt vor Etatkürzung

Die Bundesagentur für Arbeit warnt wegen drohender Sparmaßnahmen vor einer Verschärfung der Langzeitarbeitslosigkeit. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte in der vergangenen Woche für 900 Millionen Euro eine Etatsperre erlassen. Damit stünden für das "Fördern und Aktivieren" der Menschen ohne Arbeit in diesem Jahr statt der geplanten 2,8 Milliarden Euro nur knapp 1,5 Milliarden zur Verfügung, heißt es in einem Papier der Bundesagentur für Arbeit (BA), das der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.

Zuvor hatte die "Frankfurter Rundschau" (Donnerstag) daraus zitiert. Mit der Einschränkung von Maßnahmen zur Eingliederung und Weiterbildung droht nach BA-Einschätzung, dass die Zahl der Arbeitslosen und Hartz-IV-Bezieher weiter steigt. Schwerpunkte der Einschnitte seien Länder mit hohem Anteil erwerbsfähiger Hilfebedürftiger: Berlin, die ostdeutschen Länder und Nordrhein-Westfalen.

Von den gesperrten 900 Millionen Euro entfallen 600 Millionen auf Trainingsmaßnahmen, 300 Millionen auf Personal- und Verwaltungskosten. Ob die Sperre aufgehoben wird, will die Koalition davon abhängig machen, dass die Effizienz der Maßnahmen nachgewiesen wird. Wie es heißt, sperrt sich besonders die FDP gegen die Freigabe der Mittel.

Rund 100 Jobcenter könnten laut BA in der zweiten Jahreshälfte finanziell nicht mehr handlungsfähig und bis zu 10.000 Mitarbeiter in Jobcentern von den möglichen Einsparungen betroffen sein. Alle "vertraglich disponiblen Maßnahmen müssten auf den Prüfstand", vor allem Arbeitsgelegenheiten, Bildungsgutscheine, Lohnkostenzuschüsse.

Der Bundesverband Berufliche Qualifizierung erwartet, dass bis zu 750.000 Menschen nicht mehr in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten. "Mit diesen fehlenden 900 Millionen dürften zwischen 250.000 und 750.000 Menschen aufgegeben werden, weil das Geld für Fördermaßnahmen nicht da ist", sagte Verbandschef Wolfgang Prill der dpa.

Insgesamt sind für den Bereich Arbeit und Soziales für das laufende Jahr 143 Milliarden Euro eingeplant. Dank der besseren Konjunktur sind dies 3,6 Milliarden weniger als ursprünglich geplant. (dpa, kr)



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