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Missbrauchsskandal

„Unbeirrt und mutig“ aufklären

Von Hans-Jochen Kaffsack, 12.03.10, 19:44h

Der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche hat nun auch Papst Benedikt XVI erreicht. Er musste sich im Apostolischen Palast von dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz schmerzlich vor Augen führen lassen, in welche Krise seine Kirche zu stürzen droht.

Papst Benedikt XVI.
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Der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche hat nun auch Papst Benedikt XVI. erreicht. (Bild: dpa)
Papst Benedikt XVI.
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Der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche hat nun auch Papst Benedikt XVI. erreicht. (Bild: dpa)
Eigentlich sollte es reine Routine sein. Robert Zollitsch wollte dem Papst in einer Audienz berichten, was auf der jüngsten Versammlung der deutsche Bischöfe so alles besprochen worden ist. Doch die sich in der Heimat türmenden Berichte und Zeugnisse über sexuellen Missbrauch und Übergriffe ließen Benedikt XVI. keine Wahl: Er musste sich im Apostolischen Palast von dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz schmerzlich vor Augen führen lassen, in welche Krise seine Kirche zu stürzen droht - und im Strudel auch Bruder Georg Ratzinger als ehemaliger Leiter der Regensburger Domspatzen. Benedikts Rezept lautet nun: Er stärkt den Bischöfen nachdrücklich den Rücken, „unbeirrt und mutig“ diesen Skandal aufzuarbeiten und jene Instrumente noch zu schärfen, die künftige Fälle verhindern könnten. Die Bischöfe geben sich sicher, das aus eigener Kraft tun zu können.

Vor wenigen Wochen erst musste Benedikt die irischen Bischöfe nach Rom zitieren, um ihnen nach dem Skandal dort zu sagen, was für ein „abscheuliches Verbrechen“ der Missbrauch von Minderjährigen hinter Kirchenmauern ist. Jetzt galt es, mit Zollitsch nach Wegen zu suchen, um das Vertrauen in die Kirche so rasch wie möglich wieder zu stärken.

Der Kalender wollte es, dass der Krisengipfel im Vatikan auf den Tag genau zehn Jahre nach der historischen „Beichte der katholischen Kirche“ im Apostolischen Palast einberufen wurde: Am 12. März 2000 hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. im Petersdom, vor einem Kreuz kniend, die Sünden der „Söhne der Kirche“ in zwei Jahrtausenden bereut und bedauert. Gestern war es der Chef der deutschen Bischöfe, der sich (erneut) entschuldigte - bei all denen, die teils vor langer Zeit in Einrichtungen der Kirche leiden mussten.

Vor zwei Jahren hat der Papst seine Haltung unmissverständlich demonstriert: Benedikt traf sich in den USA als erster Papst mit Opfern pädophiler Priester und rief die beschmutzte Kirche dort beschämt zu „Reinigung und Erneuerung“ auf. Und als er vor einem Monat die 24 Bischöfe aus Irland in den Vatikan zitierte, um die tausendfachen Missbrauchsfälle dort zu erörtern, ging es bereits darum, Opfern zu helfen, künftige Fälle durch eine kontrolliertere Priesterausbildung zu begrenzen und die Kirche wieder glaubwürdiger zu machen.

„Wir wollen die Wahrheit aufdecken und eine ehrliche Aufklärung, frei von falscher Rücksichtnahme, auch wenn uns Vorfälle gemeldet werden, die schon lange zurückliegen. Die Opfer haben ein recht darauf“, betonte Zollitsch gestern.

Und der Papst bat ihn, die Leitlinien der Bischofskonferenz kontinuierlich anzuwenden und da, wo notwendig, zu verbessern. Dazu, so Zollitsch, gehöre auch die Unterstützung der Kirche bei der Verfolgung sexuellen Missbrauch durch die staatlichen Strafverfolgungsbehörden „Wir fordern Geistliche und Angestellte unserer Kirche sowie Ehrenamtliche zu einer Selbstanzeige auf, wenn Anhaltspunkte für eine Tat vorliegen.“

Den Zölibat stellte der Vatikan gestern jedoch nicht in Frage - ganz im Gegenteil. Den Sturm gegen die Ehelosigkeit will der für den Klerus zuständige Kurienkardinal Claudio Hummes gern überstehen: „Der Zölibat ist ein Geschenk des Heiligen Geistes, das mit Überzeugung und Freude gelebt werden muss, in der allumfassenden Beziehung mit dem Herrn.“ Soweit der Vatikan zu der kritischen Frage. Für Joseph Ratzinger ist der Zölibat ein „heiliger“ Wert der Kirche. (dpa/EB)



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